Der spanische Ministerrat hat am Dienstag eine umfassende Reform des Tabakgesetzes beschlossen, die das Rauchverbot auf zahlreiche bisher erlaubte Außenbereiche ausweitet. Künftig gilt das Verbot unter anderem auf Terrassen von Bars und Restaurants, an Stränden und Gemeinschaftspools, in Sportanlagen, Universitäten sowie bei bestimmten Open-Air-Veranstaltungen. Auch in Fahrzeugen mit kommerzieller Nutzung wird das Rauchen untersagt, sofern sie nicht ausschließlich privat genutzt werden. Ein Schutzabstand von 15 Metern wird um besonders sensible Bereiche wie Bildungs-, Gesundheits- und Kultureinrichtungen sowie Spielplätze eingerichtet, in denen das Rauchen und die Nutzung von E-Zigaretten verboten sind.
Erstmals wird das Rauchen für Minderjährige ausdrücklich untersagt. Bisher war der Verkauf an diese Altersgruppe verboten, der Konsum selbst jedoch nicht sanktioniert. Verstöße bei unter 18-Jährigen können mit mindestens 200 Euro Bußgeld geahndet werden, das bei Minderjährigen von deren Eltern oder Erziehungsberechtigten zu zahlen ist. Alternativ kann die Strafe durch gemeinnützige Arbeit ersetzt werden. Die Reform gilt auch für elektronische Zigaretten und Vape-Geräte, die künftig den gleichen Beschränkungen unterliegen wie herkömmliche Tabakprodukte. Damit soll eine bislang bestehende Gesetzeslücke geschlossen werden, die den Verkauf dieser Geräte in nicht spezialisierten Geschäften zuließ.
Darüber hinaus wird die Werbung für Tabakprodukte in öffentlichen und gemeinschaftlich genutzten Räumen verboten. Dazu zählen unter anderem Schaufenster, Automaten, Webseiten und Medieninhalte, in denen Tabakkonsum gezeigt wird. Auch Markenzeichen und Werbeelemente dürfen nicht mehr präsent sein. Die Neuregelung reagiert insbesondere auf den stark gestiegenen Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen: Laut aktueller Umfrage haben fast die Hälfte der 14- bis 18-Jährigen schon einmal elektronische Zigaretten benutzt, der regelmäßige Konsum hat sich seit 2019 fast verdoppelt.
Die Reform stellt die bedeutendste Änderung der spanischen Tabakgesetzgebung seit über zehn Jahren dar und wird nun dem Parlament zur weiteren Beratung vorgelegt. Für die Kanarischen Inseln bedeutet die Gesetzesänderung, dass auch hier an beliebten touristischen und öffentlichen Orten wie Stränden und Gastronomie-Terrassen das Rauchen deutlich eingeschränkt wird. Die neuen Regeln sollen die Gesundheit der Bevölkerung schützen, insbesondere vor den Gefahren des Passivrauchens und dem frühen Einstieg in die Nikotinabhängigkeit. Der weitere Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens und die endgültige Verabschiedung stehen noch aus. Sobald das Parlament die Reform annimmt, werden die erweiterten Rauchverbote landesweit in Kraft treten, auch auf den Kanaren.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
Zum Original