Ab dem 3. September tritt auf den Kanarischen Inseln ein Importverbot für Geflügel und Rindfleisch aus Brasilien in Kraft. Die Einfuhr dieser Produkte ist Teil des EU-weiten Vetos gegen Fleischwaren aus Brasilien, das aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von antimikrobiellen Wachstumsmitteln bei Tieren verhängt wurde. Brasilien, als einer der wichtigsten Lieferanten für Geflügel und Rindfleisch auf den Kanaren, beliefert rund 50 Prozent des dortigen Marktes mit diesen Fleischsorten. Neben Geflügel und Rindfleisch umfasst das Verbot auch andere tierische Produkte wie Eier, Honig, Zuchtfische, Meeresfrüchte und Därme zur Wurstherstellung.
Der Hintergrund für das Importverbot ist die Einhaltung der EU-Sicherheitsstandards für Lebensmittel. Brasilien wurde von der Liste der zugelassenen Drittstaaten gestrichen, nachdem die EU Bedenken hinsichtlich der Anwendung von antimikrobiellen Substanzen zur Wachstumsförderung bei Nutztieren äußerte. Dies steht im Zusammenhang mit dem seit Mai 2026 vorläufig geltenden Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Mercosur, dem Brasilien angehört. Trotz des Abkommens müssen alle Fleischimporte strenge Kontrollen durchlaufen und zertifiziert sein.
Für die kanarische Wirtschaft und Verbraucher bedeutet das Verbot eine potenzielle Verknappung und Preissteigerung bei Geflügel und Rindfleisch. Die lokale Wirtschaftskammer in Santa Cruz de Tenerife warnte bereits vor möglichen Lieferengpässen und moderaten Preiserhöhungen. Die Lebensmittelbranche auf den Kanaren reagiert jedoch zurückhaltender. Die Federación de Alimentación y Artículos de Consumo de Canarias (FACCA) betont, dass das Ausmaß der Auswirkungen stark davon abhängt, wie lange das Importverbot bestehen bleibt. Der Präsident von FACCA, Juan Manuel Ravelo González, weist darauf hin, dass bereits alternative Bezugsquellen geprüft werden, um den Bedarf der Inseln zu decken.
Die Hauptlieferanten von Geflügel innerhalb der EU sind Polen, Frankreich, Spanien und Italien, während Rindfleisch vor allem aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien bezogen wird. Allerdings kann das kanarische Primärproduktionssystem den Bedarf an Fleischprodukten derzeit nicht vollständig decken. Das spezielle Versorgungsregime der Kanaren (REA) sieht daher weiterhin den Import großer Mengen von Geflügel und Rindfleisch vor, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Für das Jahr 2026 sind Liefermengen von bis zu 49,2 Millionen Kilogramm Geflügel und 36,5 Millionen Kilogramm Rindfleisch geplant.
FACCA weist darauf hin, dass es sich bei dem EU-Veto nicht um eine Gesundheitswarnung wegen verdorbener Ware handelt, sondern um die Einhaltung neuer EU-Vorschriften zur Kontrolle von Antimikrobiotika. Produkte, die vor dem 3. September ordnungsgemäß zertifiziert wurden, können weiterhin eingeführt werden. Die Branche bleibt daher in engem Austausch mit den Behörden, um die Situation zu beobachten und mögliche Anpassungen vorzunehmen.
Für Verbraucher auf den Kanaren bedeutet dies, dass kurzfristige Preisschwankungen und Verfügbarkeitsengpässe möglich sind, langfristig jedoch durch die Suche nach alternativen Lieferanten und Anpassungen im Versorgungsregime gegengesteuert werden soll. Die Behörden und Wirtschaftspartner halten die Lage weiterhin im Blick, um eine stabile Versorgung mit Fleischprodukten sicherzustellen.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
Zum Original

