Der Westabschnitt der Ringstraße auf Teneriffa nähert sich der Fertigstellung. Die kanarische Regierung plant, den Streckenabschnitt zwischen Santiago del Teide und El Tanque im ersten Quartal des kommenden Jahres abzuschließen. Dieses Bauprojekt zählt zu den bedeutendsten Infrastrukturvorhaben auf den Kanarischen Inseln und wird die Verbindung zwischen den nördlichen und südlichen Verkehrsachsen der Insel komplettieren.
Die Bauarbeiten werden von einem Konsortium aus den Firmen FCC Construcción, Syocsa-Inarsa und El Silbo durchgeführt. Das Gesamtbudget für das Projekt liegt bei rund 288,7 Millionen Euro. Bislang wurden Arbeiten im Wert von über 202 Millionen Euro umgesetzt, was einem Fortschritt von mehr als 70 Prozent entspricht. Die Baustelle sorgt für eine beachtliche wirtschaftliche und arbeitsmarktbezogene Aktivität: Rund 50 Arbeiter sind direkt beschäftigt, während weitere 110 indirekte Arbeitsplätze durch unterstützende Aufgaben und Zulieferungen entstehen.
Die neue Straße wird die bisherigen Verbindungen zwischen den Autobahnen TF-1 im Süden und TF-5 im Norden auf der Westseite Teneriffas ersetzen und damit die bisherige TF-82-Routenführung ablösen. Mit der Fertigstellung rechnet man mit einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie einer Verkürzung der Fahrzeit zwischen Nord und Süd auf fast die Hälfte – unter günstigen Verkehrsbedingungen. Prognosen gehen davon aus, dass im ersten Betriebsjahr etwa 17.000 Fahrzeuge täglich die Strecke nutzen werden. Das ist deutlich mehr als die 5.000 Fahrzeuge, die in Studien aus den späten 1980er-Jahren geschätzt wurden. Langfristig könnte die Verkehrsbelastung sogar auf bis zu 30.000 Fahrzeuge täglich steigen.
Neben der Entlastung der östlichen Verkehrswege wird die neue Ringstraße auch den Verkehr auf der Nordautobahn TF-5 reduzieren und somit Staus in den Ballungsräumen Santa Cruz de Tenerife und La Laguna verringern. Darüber hinaus wird die Infrastruktur die wirtschaftliche Entwicklung der nordwestlichen Regionen Teneriffas fördern. Die verbesserte Erreichbarkeit unterstützt den Güterverkehr und erleichtert den Alltag von Unternehmen sowie Einwohnern in der Umgebung.
Das herausragendste Element des Bauvorhabens ist der Erjos-Tunnel, der mit einer Länge von 5.095 Metern der längste Tunnel auf den Kanarischen Inseln wird. Er besteht aus zwei parallelen Röhren, von denen jeweils 4.855 Meter durch Tunnelvortrieb entstanden sind. Die Arbeiten erfolgten überwiegend durch kontrollierte Sprengungen, ergänzt durch mechanische Verfahren, wenn die geologischen Bedingungen dies erforderten. Die Bautätigkeiten liefen gleichzeitig von vier Zugängen aus und wurden rund um die Uhr in drei Schichten durchgeführt. Der Durchbruch der Tunnelabschnitte wurde am 26. Juni 2023 (Richtung Santiago del Teide) und am 14. August 2023 (Richtung El Tanque) erreicht. Am 10. Oktober 2024 wurde die vollständige Tunnelvortriebsphase abgeschlossen.
Neben der technischen Umsetzung berücksichtigt das Projekt umfangreiche Umweltmaßnahmen. Dazu zählen die Renaturierung ehemaliger Steinbrüche mit Aushubmaterial, die Wiederherstellung von Lebensräumen von gemeinschaftlichem Interesse sowie der Bau eines Grenzparks in Santiago del Teide. Zudem wurden Planungsänderungen vorgenommen, um die Auswirkungen auf sensible Naturräume zu minimieren.
Im Januar 2026 erhielt das Projekt die finale Genehmigung für die sogenannte Modifikation Nummer 2, die von der Generaldirektion für Straßeninfrastruktur vorangetrieben wurde. Diese Änderung umfasst Maßnahmen im Wert von 21,49 Millionen Euro, was rund 8,9 Prozent des Gesamtbudgets entspricht. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu senken und die Sicherheitssysteme im Erjos-Tunnel zu modernisieren.
Zu den geplanten Maßnahmen gehört der Bau einer Photovoltaikanlage zur Eigenversorgung am falschen Tunneleingang in Santiago del Teide. Die Anlage wird eine Spitzenleistung von 589,68 Kilowatt haben und aus 936 Modulen mit jeweils 630 Watt bestehen. Sie soll etwa 55 Prozent des Strombedarfs des Tunnels unter normalen Betriebsbedingungen abdecken. Die Anlage wird mit vier Wechselrichtern mit jeweils 125 Kilowatt und einem Transformationszentrum ausgestattet, um die Integration in das Energiesystem der Infrastruktur zu gewährleisten.
Darüber hinaus sieht die Modifikation eine bedeutende strukturelle Änderung der Tunnelauskleidung vor. Der Ersatz traditioneller Lösungen durch Spritzbeton wird den Betonverbrauch verringern und die CO2-Emissionen um etwa 32.000 Tonnen reduzieren. Ergänzend werden die Lüftungs-, Beleuchtungs-, Kommunikations- und Kontrollsysteme auf den neuesten Stand der Technik gebracht, um höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten.
Das Bauprojekt war in der jüngeren Vergangenheit von komplexen administrativen und juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Dennoch schreiten die Arbeiten weiter voran, und die Fertigstellung des westlichen Ringstraßenabschnitts wird die Verkehrsinfrastruktur Teneriffas entscheidend verbessern und neue Impulse für die regionale Entwicklung setzen.
Quelle: tenerifeweekly.com
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