Die spanischen Gesundheitsbehörden schlagen Alarm: Die Zahl der Infektionen mit einer mutierten, multiresistenten Form der Shigellose-Bakterien steigt rasant an. Mehr als 2.000 Fälle wurden bisher in Spanien und weiteren zwölf Ländern Europas, Großbritanniens und den USA registriert. Besonders betroffen sind vor allem Männer unter 45 Jahren. Diese Entwicklung stellt die medizinische Versorgung vor neue Herausforderungen und betrifft auch die Kanarischen Inseln, die als beliebtes Reiseziel und Wohnort eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.
Auf einer kürzlich abgehaltenen wissenschaftlichen Tagung des spanischen Gesundheitsministeriums berichteten Experten des Nationalen Epidemiologiezentrums (CNE) über die besorgniserregende Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen (STI). Dabei zeigte sich, dass Krankheitserreger wie die Shigella-Bakterien und das Hepatitis-A-Virus ihre Verbreitungswege verändern. War die Übertragung dieser Erreger früher selten sexuell bedingt, so bestätigen neue klinische Daten, dass intime Kontakte heute eine bedeutende Rolle spielen. Ein vergleichbares Beispiel lieferte der Mpox-Ausbruch im Jahr 2022 mit über 7.500 dokumentierten Fällen in Spanien.
Die Shigellose, eine bakterielle Darminfektion, wird seit den 1980er-Jahren genau beobachtet. Seit 2021 jedoch stiegen die Meldungen neuer Fälle sprunghaft an. 2024 zeigen die offiziellen Zahlen eine deutliche Geschlechterverteilung: Auf jede infizierte Frau kommen im Mittel 3,8 infizierte Männer. Die meisten Erkrankten sind zwischen 20 und 44 Jahre alt. Diese Altersgruppe ist auch auf den Kanaren stark vertreten, was die Relevanz der Thematik für Bewohner und Urlauber unterstreicht.
Besorgniserregend ist nicht nur die Ausbreitung, sondern vor allem die Resistenz der Bakterien. Laboruntersuchungen identifizierten multiresistente und sogar extrem resistente Shigella-Stämme, die auf herkömmliche Antibiotika kaum noch ansprechen. Dies schränkt die Behandlungsmöglichkeiten erheblich ein und erfordert neue therapeutische Ansätze. Die internationale Dimension des Ausbruchs zeigt sich in sieben kritischen Clustern mit mehr als 2.300 Infizierten in Europa, Großbritannien und den USA.
Neben der Shigellose verzeichnen auch klassische sexuell übertragbare Krankheiten in Spanien neue Höchststände. Die Gonorrhoe-Rate stieg seit 2015 um 303 Prozent, die Fälle von Syphilis nahmen im gleichen Zeitraum um 110 Prozent zu. Besonders stark zugenommen haben auch das Lymphogranuloma venereum mit einem Anstieg von 250 Prozent und die angeborene Syphilis bei Säuglingen mit plus 243 Prozent. Einzig die Chlamydien-Infektionen zeigen einen leichten Rückgang von sechs Prozent in den letzten zehn Jahren.
Auch das Hepatitis-A-Virus erlebt seit 2023 wieder einen Aufwärtstrend nach mehreren Jahren des Rückgangs. Die Mehrheit der Betroffenen sind junge Männer unter 45 Jahren, mit einer männlichen zu weiblichen Fallzahl von 2,3 zu 1 im Jahr 2024. Diese Daten verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf, da die Infektionszahlen heute deutlich höher liegen als vor der COVID-19-Pandemie.
Die Expertin Lina Nerlander vom Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) fordert eine koordinierte nationale Strategie zur Eindämmung dieser Entwicklungen. Dazu gehören eine verbesserte mikrobiologische Überwachung, intensive Aufklärungskampagnen zur konsequenten Nutzung von Kondomen bei Gelegenheitskontakten sowie ein rascher und kostengünstiger Zugang zu Diagnostik und Behandlung. Für die Kanarischen Inseln, wo internationale Kontakte und Tourismus eine zentrale Rolle spielen, sind diese Maßnahmen besonders wichtig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die Gesundheitsversorgung zu sichern.
Für Einwohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren bedeutet dies: Vorsicht und Schutz bei sexuellen Kontakten sind essenziell. Gesundheitsdienste auf den Inseln passen sich an die neuen Herausforderungen an und bieten vermehrt Beratungen, Tests und Therapien an. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie dynamisch und komplex die Lage bei sexuell übertragbaren Infektionen auch in beliebten Urlaubsregionen wie den Kanaren ist. Informierte Prävention bleibt der beste Schutz.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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