Abriss historischer Küstenhütten in Fuerteventura führt zu Konflikten um Kulturerbe auf Fuerteventura (Corralejo)

Abriss historischer Küstenhütten in Fuerteventura führt zu Konflikten um Kulturerbe

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Von Thomas John - Redaktion Kanaren Nachrichten

11 September, 2026

In Fuerteventura stehen alte Küstenhütten, sogenannte ‚estancias‘, die seit Generationen von Einheimischen zum Fischen und Sammeln von Meeresfrüchten genutzt werden, vor dem Abriss. Im August 2026 wurde die letzte verbliebene Hütte in der Cueva de la Negra nur durch eine einstweilige Verfügung des Cabildos vor dem Abriss bewahrt. Zuvor war im Juli bereits die vorletzte Hütte, die der Familie des verstorbenen José Vicente Viera gehörte, abgerissen worden. Die Küstenbehörde Costas setzt seit Jahren Abrissmaßnahmen durch, die auch schon 2009 rund ein Dutzend dieser Hütten zerstörten.

Diese Hütten sind Zeugnisse einer jahrhundertealten Tradition, bei der Menschen aus dem Binnenland nach der Erntezeit an die Küste kamen, um dort zu fischen und Meeresfrüchte zu sammeln. Sie übernachteten in einfachen Unterkünften, die gemeinschaftlich genutzt wurden und denen heute oft keine Eigentumsrechte mehr zugeordnet sind. Horacio Avero Umpiérrez aus Ajuy, der die Tradition der ‚mariantes‘ wiederbelebt, berichtet, dass diese Hütten von den Dorfbewohnern gemeinsam genutzt und gepflegt wurden. Einige wurden sogar von den heutigen Bewohnern wieder aufgebaut.

Das Problem ist komplex, denn neben den gemeinschaftlich genutzten Hütten gibt es auch private Häuser, die teilweise ohne Genehmigung errichtet wurden oder deren Besitzverhältnisse unklar sind. Die 1988 erlassene spanische Küstengesetzgebung sieht vor, dass alle Gebäude im sogenannten öffentlichen Küstenbereich in den Besitz des Staates übergehen. Selbst wenn Häuser vor Inkrafttreten der Regelung errichtet und registriert wurden, gelten sie als staatliches Eigentum, und ihre Besitzer müssen eine Konzession beantragen und Gebühren zahlen, um sie weiter nutzen zu dürfen. Wird die Aufforderung zum Abriss nicht befolgt, droht die Zwangszerstörung auf Kosten der Bewohner.

Diese Praxis wird von Betroffenen und Experten kritisiert. José Luis Langa von der Plattform der Betroffenen der Küstengesetzgebung weist darauf hin, dass das Gesetz die Rückwirkung auf vor 1988 bestehende Situationen anwendet und somit Eigentumsrechte verletzt. Zudem fehle ein Verständnis für die historische Bauweise und die kulturelle Bedeutung dieser Küstenstrukturen, die für das Leben auf den Kanaren untrennbar mit der Küste verbunden seien.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen eines speziellen Schutzstatus für diese historischen Küstenanlagen. Obwohl Politiker den kulturellen Wert anerkennen, existieren auf regionaler und lokaler Ebene keine ausreichenden Schutzkataloge, die solche Bauwerke als Kulturgut ausweisen und bewahren könnten. Nona Perera, Archäologin und ehemalige Direktorin für Kulturerbe der Kanarischen Regierung, fordert eine systematische Untersuchung dieser Küstenstrukturen, um ihren ethnografischen und historischen Wert zu erfassen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Für die betroffenen Familien und Gemeinden bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung ihrer traditionellen Lebensweise und den Verlust eines Teils ihrer kulturellen Identität. Die laufenden Abrissmaßnahmen führen zu Unsicherheit über die Zukunft dieser historischen Küstenstrukturen und bedrohen das Fortbestehen einer jahrhundertealten Praxis des gemeinschaftlichen Fischens und Sammelns an der Küste von Fuerteventura.

Die kurzfristige Aussetzung des Abrisses der letzten Hütte in der Cueva de la Negra bietet nur vorläufigen Schutz. Ob und wann weitere Abrisse folgen, ist offen. Ohne eine verbindliche Lösung auf regionaler oder nationaler Ebene bleibt der Erhalt dieser Kulturgüter fraglich, was direkte Auswirkungen auf die Gemeinschaften hat, die diese Traditionen lebendig halten.

Quelle: fuerteventuradigital.com
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Hinweis: Diese Kurzmeldung wurde redaktionell aufbereitet und basiert auf öffentlich zugänglichen spanischen Quellen. Inhalte werden geprüft und verständlich zusammengefasst.

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