In Las Palmas de Gran Canaria sind am Montag Dutzende Ärzte auf die Straße gegangen, um gegen den kanarischen Gesundheitsdienst (Servicio Canario de Salud, SCS) zu protestieren. Anlass ist eine als unzureichend empfundene Verbesserungsvorschlag des Gesundheitsministeriums, der nach monatelangen Streiks vorgelegt wurde. Die Mediziner kritisieren die Vorschläge als respektlos und weit entfernt von ihren Forderungen, weshalb sie weitere Mobilisierungen ankündigen.
Die Demonstration fand auf der Avenida José Mesa y López in der Hauptstadt Gran Canarias statt und markierte den Auftakt zu zwei landesweiten Streiktagen am 22. und 23. Juni. Kurz zuvor hatte das Gesundheitsministerium eine verbesserte Arbeitsbedingung für das Personal des SCS vorgestellt, die jedoch von den Ärzten abgelehnt wird. Eric Álvarez, Präsident der kanarischen Ärztegewerkschaft (CESM Canarias), erklärte gegenüber Journalisten, dass der Vorschlag nicht einmal drei Prozent der Forderungen abdecke und die wenigen angesprochenen Punkte zudem unzureichend seien.
Álvarez kritisierte die Haltung der Gesundheitsbehörde als „unverständlich“ und forderte direkt die Vermittlung durch den Präsidenten der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo. Hintergrund ist die Blockade zwischen dem Gesundheitsdirektor des SCS und der Gesundheitsministerin, die offenbar keine Entscheidung treffen können. Laut Álvarez haben Adasat Goya und Esther Monzón, Vertreter des Gesundheitsministeriums, bei der Finanzbehörde um die nötigen Mittel für einen „vernünftigen“ Vorschlag gebeten. Da es von dort keine Rückmeldung gebe, müsse nun die politische Führung eingreifen.
Der Gewerkschaftsvorsitzende räumte ein, dass Streiks immer Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. Dennoch sei dieser Schritt das Ergebnis jahrelanger und monatelanger Verhandlungen. Er betonte, dass die Ärzte jederzeit bereit seien, echte Gespräche zu führen, sobald die Behörden willens seien, die Forderungen ernsthaft zu berücksichtigen.
Die Protestierenden skandierten Parolen wie „Ohne Ärzte keine Gesundheit“, „Esther Monzón, finde eine Lösung“ und „Arbeitsstunde = Beitragsstunde“. Transparente forderten unter anderem „Berufung ist keine Ausbeutung“ und „Eigenes Statut jetzt“. Levy Cabrera, Generalsekretär der spanischen Ärztegewerkschaft in den Kanaren, erklärte, dass die Vorschläge zwar einige Forderungen wie die Vergütung von Bereitschaftsdiensten an Werktagen erwähnten, jedoch Wochenenden, Feiertage und besondere Tage wie Weihnachten unberücksichtigt blieben.
Zudem kritisierte Cabrera, dass die Berechnung der Bereitschaftsdienststunden zwar auf den drei besten Gesundheitssystemen Spaniens basieren soll, das Angebot der Regierung aber deutlich darunter liege. Auch wenn die Anstellung weiterer Spezialisten versprochen werde, fragt Cabrera: „Wie sollen wir sie einstellen, wenn wir die schlechtesten Arbeitsbedingungen Spaniens haben?“
Ein weiteres Problem ist der Zustand der medizinischen Infrastruktur auf den Inseln. Viele Primärversorgungszentren seien zu klein, zahlreiche Krankenhäuser überfüllt oder funktionierten eher als Einrichtungen für chronisch Kranke, in denen viele Patienten trotz Entlassung administrative Hürden nicht verlassen könnten. Diese Missstände trügen ebenfalls zur Unzufriedenheit bei, insbesondere jüngere Ärzte zwischen 30 und 40 Jahren zögen deshalb nicht in Erwägung, auf den Kanaren zu bleiben.
In den kommenden Tagen plant die Ärztegewerkschaft Versammlungen in allen Krankenhäusern und Gesundheitszentren der Inseln, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Dabei wird auch über mögliche weitere Streiks und deren Intensität entschieden. Auf nationaler Ebene gibt es bereits Überlegungen, ab Mitte September einen unbefristeten Streik auszurufen.
Für Urlauber, Auswanderer und Einwohner der Kanaren bedeuten diese Entwicklungen, dass es in nächster Zeit zu Einschränkungen in der medizinischen Versorgung kommen kann. Insbesondere in Notfällen oder bei geplanten Arztbesuchen sollten Betroffene mit längeren Wartezeiten rechnen. Zudem zeigt der Protest die anhaltenden strukturellen Probleme im kanarischen Gesundheitssystem, die auch langfristig Einfluss auf die Qualität der medizinischen Versorgung haben könnten.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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