Die Zahl der Fahrzeuge auf den Kanarischen Inseln ist im Jahr 2025 um 2,7 Prozent gestiegen, was einem Zuwachs von 53.515 Fahrzeugen entspricht und die Gesamtzahl auf rund zwei Millionen bringt. Allein die Anzahl der Autos erhöhte sich um 36.873, ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung führt zu einer zunehmenden Verkehrsüberlastung, die bereits viele Straßen an der Kapazitätsgrenze belastet. Gleichzeitig verschärfen sich dadurch Umwelt- und Gesundheitsprobleme wie Luftverschmutzung und Lärmbelastung.
Die Umweltorganisation Sí se puede kritisiert, dass trotz der offensichtlichen Probleme die Abhängigkeit vom privaten Pkw weiter zunimmt. Laut der Sprecherin Vanesa Martín ist es nicht akzeptabel, dass jährlich Zehntausende neue Fahrzeuge hinzukommen, während viele Straßen bereits überlastet sind. Die Organisation weist darauf hin, dass der Wandel zu saubereren Verkehrsmitteln nicht bedeuten darf, dass Familien gezwungen werden, neue Autos anzuschaffen, was für viele finanziell nicht machbar sei. Zudem sei es widersprüchlich, den Pkw-Besitz durch den Kauf neuer Fahrzeuge einschränken zu wollen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verzögerung bei der Einführung von Umweltzonen in zehn Gemeinden der Kanaren, die den städtischen Verkehr und die damit verbundene Luftverschmutzung reduzieren sollen. Obwohl die Frist von zwei Jahren bereits verstrichen ist, wurden diese Zonen bisher nicht umgesetzt. Die Fortschritte bei den Projekten sind ungleichmäßig und entsprechen nicht den staatlichen Vorgaben.
Sí se puede fordert daher eine umfassende Strategie zur Förderung nachhaltiger Mobilität, die den öffentlichen Nahverkehr verbessert und attraktive Alternativen zum Auto bereitstellt. Vanesa Martín betont, dass ohne komfortable, häufige, zugängliche und bezahlbare Angebote für Bus, Bahn, Fuß- und Radverkehr die Menschen kaum dazu bewegt werden können, auf das Auto zu verzichten. Die steigenden Fahrzeugzahlen stellen eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar, da sie Lärm und Schadstoffe erhöhen. Die bisher fehlenden wirksamen Maßnahmen verschärfen diese Problematik.
Seit der Einführung des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs im Jahr 2023 wurden zwar Fortschritte erzielt, doch die weiterhin stark wachsende Anzahl an Fahrzeugen zeigt, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um die Abhängigkeit vom privaten Auto zu verringern. Die Organisation warnt davor, dass eine Rückentwicklung bei der Unterstützung des öffentlichen Verkehrs die Situation weiter verschlimmern würde.
Für die Zukunft fordert Sí se puede, den Fokus der Verkehrspolitik weg von der Erleichterung des Zugangs zu saubereren Fahrzeugen hin zur Reduktion des Pkw-Besitzes zu verlagern. Dazu gehören der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, bessere Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer sowie die Einrichtung von Umweltzonen als Teil ganzheitlicher Mobilitätskonzepte. Nur so kann die Verkehrssituation auf den Kanarischen Inseln nachhaltig entlastet und die Lebensqualität der Bewohner verbessert werden.
Quelle: tenerifeweekly.com
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