Die kanarische Regierung hat die Digitalisierung als eines ihrer strategischen Hauptprojekte verankert. Guadalupe González Taño, Generaldirektorin für Digitale Transformation der öffentlichen Dienste, erläuterte in einem Interview mit Atlántico Televisión die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen bei der Modernisierung der Verwaltung auf den Kanarischen Inseln. Dabei betont sie, dass die Digitalisierung kein Zukunftsthema mehr sei, sondern bereits die Gegenwart präge.
Die Transformation der Verwaltung zielt darauf ab, die verschiedenen Bedürfnisse einer immer heterogeneren Gesellschaft zu bedienen. Auf den Kanaren leben Menschen mit unterschiedlichen digitalen Kompetenzen: von Digital Natives bis zu Personen, die ursprünglich aus rein analogen Welten stammen. Die Verwaltung muss daher sowohl jungen Social-Media-Nutzern als auch älteren Bürgerinnen und Bürgern gerecht werden, die sich zunehmend an digitale Prozesse gewöhnen. Ziel ist es, durch den Einsatz moderner Technologien die Abläufe zu vereinfachen, Wartezeiten zu verkürzen und den Service insgesamt zu verbessern.
Ein zentrales Thema ist die künstliche Intelligenz (KI). González Taño stellt klar, dass KI keine Wunderlösung sei, sondern eine komplexe Technologie, die sorgfältig implementiert werden muss – insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz. Ein Beispiel ist die Anwendung von KI im Bereich der Pflegebedürftigkeit, wo fast ein Jahr Vorarbeit investiert wurde, um die Systeme zu trainieren und verlässlich zu machen. Die Digitalisierung soll helfen, die Bearbeitungszeiten für Anträge deutlich zu reduzieren, was für Betroffene auf den Inseln eine spürbare Entlastung bedeutet.
Die kanarische Regierung setzt dabei stark auf eine datenbasierte Steuerung ihrer Maßnahmen. Statt wie früher oft üblich, Politik ohne klare Erfolgskontrolle umzusetzen, ermöglicht die digitale Transformation eine kontinuierliche Überwachung und Bewertung der Wirksamkeit von Verwaltungsprozessen. Wenn eine Maßnahme etwa die Bearbeitungszeiten verkürzt und den Service verbessert, wird sie beibehalten. Andernfalls wird sie überdacht oder eingestellt. Diese evidenzbasierte Herangehensweise sorgt für mehr Transparenz und Effizienz in der Verwaltung.
Dieser Wandel erfordert jedoch auch eine neue Haltung in der öffentlichen Verwaltung. Die Bereitschaft, Fehler einzugestehen und Prozesse anzupassen, ist entscheidend. Die Bürgerinnen und Bürger auf den Kanaren sind heute besser informiert und beteiligen sich aktiver an der Bewertung öffentlicher Dienstleistungen. Die Verwaltung muss daher offener und flexibler agieren, um den Erwartungen der Bevölkerung gerecht zu werden.
Langfristig soll die Digitalisierung die Entscheidungsfindung in der Verwaltung revolutionieren. Ziel ist es, in naher Zukunft Echtzeit-Daten zur Verfügung zu haben, die es Behörden ermöglichen, den Zustand von Dienstleistungen, die Wirkung von Maßnahmen oder die Entwicklung von Wartelisten sofort zu erfassen. Dies soll helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und schneller zu reagieren, was die Effizienz und Qualität der öffentlichen Verwaltung auf den Kanaren deutlich steigern wird.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Veränderungsbereitschaft innerhalb der Verwaltung selbst. Die öffentliche Hand ist traditionell träge und mit komplexen, langwierigen Prozessen belastet. Deshalb investiert die kanarische Regierung auch in die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schulungen zu künstlicher Intelligenz, deren Chancen und Grenzen, sollen die Beschäftigten befähigen, die digitale Transformation aktiv mitzugestalten. Nur so kann die Verwaltung Schritt halten mit der rasanten technologischen Entwicklung und den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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