Im Hafen- und Schifffahrtssektor der Kanarischen Inseln zeichnet sich eine bedeutende Umstrukturierung ab. Der lokale Konzern Grupo Hidramar, Betreiber von Werften und Werkstätten in Las Palmas und Santa Cruz, hat mit der Gründung der Gewerkschaft „Trabajadores por los Puertos de Canarias“ und des neuen Arbeitgeberverbands Atlantican eine strategische Neuausrichtung eingeleitet. Diese Initiativen zielen darauf ab, die bisher dominierende Föderation der Hafenunternehmen (Fedeport) herauszufordern und die Interessen einer breiteren Gruppe von Akteuren in der maritimen und nautischen Branche zu vertreten.
Die Gewerkschaft „Trabajadores por los Puertos de Canarias“ wurde offiziell am 13. August im Kanarischen Amtsblatt bekanntgegeben. Initiiert wurde sie von María Elena Ruiz Escuela, Sprecherin der bereits 2022 gegründeten Gewerkschaft der Hafenarbeiter auf Teneriffa, unter Führung von Jonathan Pérez. Neben ihr engagieren sich weitere Mitarbeiter von Hidramar, darunter Fachkräfte aus der Personalabteilung wie Keila Moreno Suárez und Nayara González Díaz sowie Unise Daimed Pérez Meza und Orlando Domínguez Marrero. Die Gewerkschaft adressiert zentrale Probleme wie den Fachkräftemangel und betriebliche Schwächen in den Häfen von Santa Cruz und Granadilla, etwa die Verfügbarkeit von Schleppern und die durch bürokratische Abläufe beeinträchtigte Wettbewerbsfähigkeit bei Schiffsreparaturen. Bereits während der Gesundheitskrise rund um das Kreuzfahrtschiff MV Hondius hatte die Gewerkschaft für Arbeitsschutzmaßnahmen und Transparenz demonstriert.
Parallel dazu wurde mit Atlantican ein neuer Arbeitgeberverband mit Sitz im Dique del Este in Santa Cruz gegründet. Ziel dieses Verbands ist die Bündelung der gesamten Wertschöpfungskette der maritimen und nautischen Industrie auf den Kanaren – von Schiffbau und Reparatur über Offshore-Technik, Inspektionen bis hin zu Logistik. Führende Vertreter von Grupo Hidramar wie Jonathan Pérez Padrón (Teneriffa-Werften), Mario Suárez (Hidramar Senegal) und Jorge Daniel Santana García (EVS Inspections) sind maßgeblich an der Initiative beteiligt. Atlantican stellt damit eine direkte Konkurrenz zu Fedeport dar, das bislang den Sektor mit Unternehmen wie Boluda und Astican dominiert.
Die gleichzeitige Gründung einer Gewerkschaft und eines Arbeitgeberverbands durch Grupo Hidramar signalisiert eine verstärkte institutionelle Positionierung des Unternehmens im regionalen Hafen- und Schifffahrtsmarkt. Diese Doppelstrategie könnte die Verhandlungsposition von Hidramar sowohl gegenüber den Beschäftigten als auch im Branchenwettbewerb stärken. Ob Atlantican jedoch ausreichend Partner außerhalb des Konzerns gewinnen wird, um Fedeport nachhaltig herauszufordern, bleibt offen. Für die Beschäftigten in den Häfen und Unternehmen der Region bedeutet diese Entwicklung potenziell neue Möglichkeiten zur Mitgestaltung der Arbeitsbedingungen und Marktstrukturen.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie sich die Mitgliedschaften in beiden Organisationen entwickeln und welche Auswirkungen dies auf die Wettbewerbsdynamik und Arbeitsorganisation in den kanarischen Häfen hat. Für Einwohner und Urlauber der Kanaren könnten sich daraus mittel- bis langfristig Veränderungen in der Hafenlogistik, Schiffsreparatur und damit verbundenen Dienstleistungen ergeben.
Quelle: tenerifeweekly.com
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