Die Inflation auf den Kanarischen Inseln hat im Juli eine jährliche Steigerung von 3,4 Prozent erreicht, während die Tariflohnerhöhungen in den bis dahin abgeschlossenen Tarifverhandlungen lediglich bei 2,96 Prozent lagen. Damit verliert die Kaufkraft der Arbeitnehmer spürbar, denn die Preissteigerungen übersteigen die Lohnzuwächse bereits um fast einen halben Prozentpunkt. Der Trend verschärft sich im August, wie vorläufige Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) zeigen: Die Inflation beschleunigte sich auf 4,3 Prozent – der höchste Wert seit Februar 2023. Haupttreiber sind steigende Kosten für Kraftstoffe, die seit Jahresbeginn deutlich teurer geworden sind und die Ausgaben der Haushalte und Unternehmen weiter erhöhen.
Die jüngsten Tarifverhandlungen auf den Kanaren betreffen 124 Kollektivverträge, die rund 117.524 Beschäftigte in etwa 14.146 Unternehmen abdecken. Dabei sind sektorale Abkommen mit einer durchschnittlichen Lohnerhöhung von 3,02 Prozent erfolgreicher als die auf Unternehmensebene verhandelten Verträge mit 2,50 Prozent Anstieg. Die Verteilung der Tarifabschlüsse ist regional unterschiedlich: In der Provinz Las Palmas wurden acht sektorale Abkommen abgeschlossen, in Santa Cruz de Tenerife vier und ein weiteres auf autonomen Kanarischen Ebene. Folglich sind in der östlichen Provinz mit 82.251 Arbeitnehmern deutlich mehr Beschäftigte von den Tarifverhandlungen betroffen als in der westlichen Provinz mit 30.973.
Zudem sind die Lohnerhöhungen in der Provinz Santa Cruz de Tenerife etwas höher als in Las Palmas. Dort steigen die sektoralen Löhne um 3,17 Prozent, während es in Las Palmas 2,97 Prozent sind. Auch bei den Unternehmensverträgen liegen die Erhöhungen in Santa Cruz de Tenerife mit 3,05 Prozent über den 2,96 Prozent in Las Palmas. Trotz dieser Anpassungen reicht das Lohnplus nicht aus, um die Inflation auszugleichen, wodurch die Haushalte real weniger Geld zur Verfügung haben.
Die steigenden Lebenshaltungskosten treffen die Familien auf den Kanaren besonders hart, da weitere Belastungen bevorstehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) plant im September eine Zinserhöhung, die sich auf den Euribor auswirken wird – den Referenzzinssatz für die meisten Hypotheken. Höhere Zinsen führen zu steigenden Kreditkosten, was die finanzielle Situation vieler Haushalte zusätzlich verschärfen dürfte. Die Folge könnte ein Rückgang des Konsums sein, der wiederum negative Auswirkungen auf die Beschäftigung haben kann, wenn Unternehmen weniger Nachfrage verzeichnen.
Die wirtschaftlichen Unsicherheiten werden durch geopolitische Spannungen und Handelsbarrieren verstärkt, was auch die Tourismusbranche auf den Kanaren betrifft. Zwar wurden die Verträge zwischen Hotels und Reiseveranstaltern zu höheren Preisen abgeschlossen, doch die sinkende Nachfrage deutet auf eine Abschwächung des Tourismus hin. Dies könnte mittelfristig weitere wirtschaftliche Herausforderungen nach sich ziehen.
Für die Arbeitnehmer auf den Kanaren bedeutet die aktuelle Entwicklung eine reale Kaufkraftminderung, die durch die Inflation und steigende Kreditkosten verstärkt wird. Die Tarifverhandlungen konnten bisher nur teilweise gegensteuern. In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, wie sich die Preisentwicklung und die Zinspolitik weiterentwickeln und ob neue Tarifabschlüsse eine bessere Anpassung der Löhne an die Inflation ermöglichen.
Quelle: laprovincia.es
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