Der öffentliche Nahverkehr auf den Kanarischen Inseln spielt eine immer wichtigere Rolle als sozialer und identitätsstiftender Faktor. Beim 32. Nationalen Kongress für städtischen und metropolitanen Verkehr in Las Palmas de Gran Canaria machte der Markenstrategie-Berater Fernando de Córdoba deutlich, dass Verkehrsbetriebe ihre Funktion neu definieren müssen. Sie sind nicht nur Anbieter von Transportdienstleistungen, sondern Teil des Alltags und der Lebenswelt der Menschen – eine Marke, auf die sie stolz sein können.
De Córdoba erläuterte, dass öffentliche Verkehrsmittel weit mehr sind als reine Fortbewegungsmittel. Sie sind täglich präsent, werden häufig genutzt und sind mit persönlichen Erinnerungen verbunden – zum Beispiel dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder besonderen Momenten während der Fahrt. Diese emotionale Bindung verleiht dem Nahverkehr den Status einer „Love Brand“, einer Marke, die von den Menschen geschätzt und mitgetragen wird. Verkehrsbetriebe sollten diese Verbindung aktiv stärken und ihre Marke bewusst pflegen.
Ein zentraler Aspekt ist die soziale Dimension des öffentlichen Verkehrs. Er fördert Inklusion und Barrierefreiheit und ist unverzichtbar für das urbane Zusammenleben. De Córdoba fordert ein Umdenken: Öffentlicher Nahverkehr ist kein bloßer Ersatz für das Auto, sondern ein grundlegender Service, der das Auto als bevorzugtes Verkehrsmittel ablösen sollte. Dazu gehört eine Verbesserung der Qualität und der Nutzererfahrung, damit Fahrgäste den Nahverkehr als Teil ihrer Lebensqualität wahrnehmen und nicht nur als Mittel zum Zweck.
Als Beispiel für eine veränderte Wahrnehmung nannte er die Stadt Madrid. In den 1970er und 1980er Jahren gab es dort Widerstände gegen den Ausbau des Metronetzes, weil Anwohner Wertverluste ihrer Immobilien und Überlastungen befürchteten. Heute gilt der öffentliche Verkehr als unverzichtbar, und die Nachfrage nach Erweiterungen ist groß. Dieses Beispiel zeigt, dass sich Einstellungen gegenüber dem Nahverkehr im Laufe der Zeit grundlegend ändern können.
Auf den Kanaren gibt es ebenfalls vielversprechende Projekte, etwa den Ausbau von Bus Rapid Transit (BRT)-Systemen. Obwohl deren Umsetzung mit Herausforderungen verbunden ist, sieht de Córdoba darin eine Chance, den Nahverkehr attraktiver und effizienter zu gestalten. Der Kongress in Las Palmas bot eine Plattform für den Austausch zwischen Betreibern, Planern und Kommunen. Guaguas Municipales, der lokale Nahverkehrsanbieter, steht exemplarisch für den Prozess, eine stärkere Markenidentität zu entwickeln.
Eine verbesserte Kommunikation und eine höhere Servicequalität könnten die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs auf den Kanaren steigern. Dies würde nicht nur die Nutzung fördern, sondern auch die Lebensqualität in den Städten verbessern, indem der Individualverkehr reduziert und nachhaltige Mobilität gestärkt wird.
Fernando de Córdoba betonte, dass die Verankerung des öffentlichen Nahverkehrs als soziale Marke Zeit und konsequentes Engagement erfordert. Betreiber müssen ihre Rolle als zentraler Bestandteil des städtischen Lebens verstehen und entsprechend investieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese Strategie auf den Kanaren umgesetzt wird und wie sich der öffentliche Nahverkehr dort langfristig als identitätsstiftendes und soziales Element etabliert.
Quelle: laprovincia.es
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