Die Regierung der Kanarischen Inseln, koaliert aus der Coalición Canaria und dem Partido Popular, hat einen umstrittenen Schritt gewagt: Sie vergab einen Vertrag über 16.044,65 Euro an die ultrarechte Fernsehanstalt Estado de Alarma TV (EdaTV). Dieser Vertrag trat am 1. März 2025 in Kraft und sieht unbestimmte Werbekampagnen vor, die von der Vizeabteilung für Kommunikation unter Jonathan Domínguez, einem Mitglied der Coalición Canaria, genehmigt wurden. Die Vergabe geschah unter dem rechtlichen Maximalbetrag von 15.000 Euro, was ein formelles Ausschreibungsverfahren überflüssig macht und damit Fragen zur Transparenz aufwirft.
EdaTV hat sich in der Vergangenheit durch eine stark rechtsgerichtete Berichterstattung hervorgetan. Im Jahr 2025 erhielt der Sender mehr öffentliche Mittel als andere lokale Medien, wie etwa 14.000 Euro an Canarias Ahora. Diese ungleiche Verteilung öffentlicher Gelder sorgt für Unmut und lässt viele an der Fairness der Unterstützung für lokale Medien zweifeln. Die Regierung hat jedoch keine spezifischen Informationen zu den beworbenen Kampagnen bereitgestellt, was die Transparenz weiter in Frage stellt. Für die deutschsprachigen Leser auf den Kanaren, die oft auf lokale Nachrichten angewiesen sind, ist diese Intransparenz besonders besorgniserregend. Sie könnte bedeuten, dass relevante Informationen und Berichterstattung, die für die Gemeinschaft wichtig sind, möglicherweise nicht ausreichend gefördert werden.
Die Kontroversen rund um EdaTV nehmen zu, insbesondere durch die kritische Figur Vito Quiles, der für den Sender tätig ist. Quiles ist bekannt für seine aggressive Interviewtechnik, die bereits mehrfach in der Öffentlichkeit für Aufregung sorgte. Ein jüngster Vorfall, bei dem er Begoña Gómez, die Frau des Präsidenten der Regierung, in einer Madrider Cafeteria belästigte, führte zu einer Anzeige gegen ihn. Solche Vorfälle werfen nicht nur Fragen zur journalistischen Ethik auf, sondern zeigen auch, wie wichtig es ist, die Standards im Journalismus zu wahren. Für die deutschsprachige Gemeinschaft auf den Kanaren, die möglicherweise mit diesen Medien in Kontakt kommt, ist es entscheidend, kritisch zu hinterfragen, welche Quellen vertrauenswürdig sind und welche nicht.
Um die Herausforderungen der modernen Medienlandschaft zu adressieren, hat die Vizeabteilung für Kommunikation unter Domínguez kürzlich Veranstaltungen zur Rolle der sozialen Medien in der Kommunikation organisiert. Dabei wurde betont, wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit über die Bedeutung einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung aufzuklären und den Einfluss von Falschinformationen zu bekämpfen. In einer Zeit, in der die Verbreitung von Fake News und einseitigen Berichten immer mehr zunehmen, ist es für die deutschsprachige Leserschaft auf den Kanaren besonders wichtig, sich aktiv mit den Informationen auseinanderzusetzen, die sie konsumieren. Die Verantwortung der Medien ist enorm, und es liegt an den Zuschauern, kritisch zu bleiben und sich nicht nur auf eine Quelle zu verlassen.
Die Entscheidung der kanarischen Regierung, Gelder an EdaTV zu vergeben, könnte weitreichende Folgen haben. Sie könnte nicht nur die Medienlandschaft auf den Kanaren beeinflussen, sondern auch die Art und Weise, wie Nachrichten in der Gemeinschaft wahrgenommen werden. In einem demokratischen System ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Medien ihre Rolle als vierte Gewalt wahrnehmen und neutral sowie ausgewogen berichten.

