Das erste öffentliche Social Media Observatorium der Kanarischen Inseln hat die digitale Präsenz von 449 öffentlichen Institutionen auf der Inselgruppe umfassend untersucht. Dabei wurden 933 offizielle Profile auf verschiedenen sozialen Netzwerken analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar viele Behörden auf sozialen Medien vertreten sind, diese Präsenz jedoch häufig nicht in eine effektive und zielgerichtete Kommunikation für die Bevölkerung umgesetzt wird.
Nach den vorliegenden Daten sind rund 39 Prozent der öffentlichen Stellen lediglich auf einer einzigen Plattform aktiv. Im Durchschnitt nutzt jede Institution zwei soziale Netzwerke. Instagram ist mit 72 Prozent die am häufigsten genutzte Plattform, gefolgt von Facebook mit 67 Prozent. Plattformen, die besonders junge Zielgruppen ansprechen, wie TikTok mit 2,9 Prozent und YouTube mit 19 Prozent, werden hingegen kaum genutzt. Diese geringe Präsenz erschwert die Ansprache junger Menschen, die für die öffentliche Kommunikation zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ein weiteres Problem sind zahlreiche inaktive Profile: Von 249 bewerteten Accounts waren 71 länger als sechs Monate ohne neue Beiträge. Solche inaktiven Profile bergen Risiken wie Fehlinformationen oder Identitätsmissbrauch und können das Vertrauen der Bevölkerung in öffentliche Stellen beeinträchtigen. Auffällig ist zudem, dass einige dieser Accounts weiterhin für Verifizierungen auf X (ehemals Twitter) bezahlen, obwohl sie keine aktuellen Aktivitäten zeigen – ein Hinweis auf ineffizienten Ressourceneinsatz und fehlende Koordination.
Thematisch konzentriert sich die Social-Media-Kommunikation stark auf kulturelle Inhalte, während wichtige Bereiche wie Sozialarbeit, Bildung oder Gleichstellung vergleichsweise wenig Beachtung finden. Diese Schwerpunktsetzung verzerrt die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben und lässt dringende gesellschaftliche Themen weniger sichtbar werden.
Die Untersuchung zeigt auch positive Beispiele: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk RTVC verfügt über mehr als 900.000 Follower auf seinen Kanälen und nutzt seine Social-Media-Präsenz mit einer klaren Strategie erfolgreich. Dagegen stehen andere Profile, etwa im Tourismussektor, die trotz guter Voraussetzungen kaum aktiv sind.
Für Einwohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanarischen Inseln bedeutet das, dass wichtige Informationen von Behörden nicht immer zeitnah oder zielgruppengerecht verbreitet werden. Besonders jüngere Nutzer könnten von relevanten Inhalten ausgeschlossen sein, was die gesellschaftliche Teilhabe erschwert. Die Studie verdeutlicht, dass eine verbesserte und koordinierte digitale Kommunikationsstrategie notwendig ist, um mehr Transparenz und Bürgernähe zu gewährleisten.
Die Kanarischen Inseln, die als beliebtes Reiseziel und Wohnort eine vielfältige Bevölkerung und zahlreiche Besucher anziehen, sind auf eine funktionierende öffentliche Kommunikation angewiesen. Die fragmentierte und oft inaktive Social-Media-Präsenz öffentlicher Stellen behindert den Informationsfluss und kann zu Missverständnissen führen.
Hintergrund der Untersuchung ist der rasante Anstieg der Social-Media-Nutzung öffentlicher Institutionen in den letzten zehn Jahren, der jedoch ohne einheitliche Strategie erfolgte. Dies führte zu einer unkoordinierten und teilweise ineffizienten Kommunikation, die das Potenzial digitaler Medien nicht voll ausschöpft.
Das Social Media Observatorium plant, seine Analysen fortzusetzen und weitere Empfehlungen zur Optimierung der öffentlichen Kommunikation zu veröffentlichen. Für die Zukunft ist entscheidend, dass die öffentlichen Stellen der Kanarischen Inseln nicht nur präsent sind, sondern ihre Social-Media-Kanäle aktiv und strategisch nutzen. Nur so kann die digitale Kommunikation den Erwartungen der Bevölkerung gerecht werden und zur Stärkung von Transparenz und Vertrauen beitragen.
Quelle: tenerifeweekly.com
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