Laut einem aktuellen Bericht von Cáritas Diocesana, der in Zusammenarbeit mit dem Cabildo de Tenerife erstellt wurde, leben im Jahr 2025 insgesamt 2.853 Menschen auf der Insel in obdachlosen Verhältnissen. Diese Zahl stellt einen leichten Anstieg im Vergleich zu den 2.838 Betroffenen des Vorjahres dar und zeigt die Verschärfung einer sozialen Krise mit strukturellen Dimensionen. Der Bericht weist darauf hin, dass die Anzahl der obdachlosen Personen in den letzten fünf Jahren um mehr als 1.000 gestiegen ist, von 1.784 im Jahr 2020 auf die aktuelle Zahl. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, insbesondere vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, die viele Menschen in der Region betreffen.
Juan Rognoni, Direktor von Cáritas Diocesana, bezeichnete Obdachlosigkeit nicht nur als soziale, sondern auch als gesundheitliche Notlage. Der Druck auf die soziale Infrastruktur ist enorm. Rognoni fordert umfassende und koordinierte Maßnahmen, die soziale Begleitung, medizinische und psychologische Betreuung sowie rechtliche Unterstützung umfassen. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 26,9 % der Betroffenen unter chronischer Angst und Depression leiden und 40,3 % an diagnostizierten chronischen Krankheiten leiden. Diese gesundheitlichen Probleme sind oft eine Folge der prekären Lebensumstände und verstärken den Teufelskreis der Obdachlosigkeit.
Die Mehrheit der obdachlosen Menschen lebt unter extremen Bedingungen. Fast die Hälfte übernachtet im Freien, in Parks oder auf Bänken. 25 % leben in improvisierten Unterkünften wie Hütten oder Wohnwagen. Für viele ist dies nicht nur eine temporäre Situation, sondern eine dauerhafte Realität. Rognoni betont die Notwendigkeit, den Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen zu erhöhen und den Zugang zu Mietwohnungen zu erleichtern, um zu verhindern, dass weitere Menschen in eine ähnliche Lage geraten. In einem Land, in dem die Mietpreise in den letzten Jahren stark gestiegen sind, stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar.
Die Verteilung der obdachlosen Bevölkerung konzentriert sich vor allem in den Städten Santa Cruz, Arona und La Laguna, wo die meisten Ressourcen vorhanden sind. Diese städtischen Zentren sind nicht nur Anziehungspunkte für Touristen, sondern auch für Menschen, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen sind. Rognoni hebt hervor, dass auch Menschen mit Einkommen oder Renten, die über familiäre Netzwerke verfügen, oft keinen Zugang zu Wohnraum finden und daher in Wohnwagen oder improvisierten Strukturen leben müssen. Diese Entwicklungen könnten langfristig zu einem ernsthaften sozialen Problem führen, das nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes betrifft.
Für die deutschsprachige Gemeinschaft auf den Kanaren ist es wichtig, sich dieser Problematik bewusst zu sein. Viele Deutsche, die auf den Inseln leben, haben möglicherweise einen direkten Kontakt zu den sozialen Herausforderungen, sei es durch Nachbarn, Bekannte oder im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit. Eine aktive Teilnahme an lokalen Initiativen oder Spendenaktionen kann helfen, das Bewusstsein zu schärfen und konkrete Unterstützung zu leisten. Zudem könnten deutschsprachige Bewohner durch ihre Netzwerke dazu beitragen, Lösungen zu finden, um Menschen in Not zu helfen und eine solidarische Gemeinschaft zu fördern.