Der kanarische Regierungschef Ángel Víctor Torres hat den kanarischen Ableger der Partido Popular (PP) wegen dessen Haltung zur neuen Finanzierungsvereinbarung für die Kanarischen Inseln scharf kritisiert. Der PP lehnt die jüngst vom Rat für Finanz- und Fiskalpolitik beschlossene Aufteilung von zusätzlichen 1,3 Milliarden Euro jährlich für die Region ab, obwohl diese Mittel für wichtige Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Notfälle und Infrastruktur vorgesehen sind. Torres bezeichnete dieses Verhalten als eine „Trauer“ und eine „Verrat“ an den Interessen der Kanarischen Bevölkerung, da die PP offenbar den Anweisungen des nationalen Parteivorsitzenden Alberto Núñez Feijóo folge und so die regionale Entwicklung behindere.
Torres, der selbst bereits Präsident der Kanarischen Inseln war und derzeit auch als Vizepräsident des Finanz- und Fiskalrates fungiert, hob hervor, dass diese neue Finanzierungsregelung die erste seit 18 Jahren sei und eine erhebliche Verbesserung für den Archipel darstelle. Zudem betonte er, dass der spanische Staat am kommenden Dienstag im Ministerrat die Freigabe von 600 Millionen Euro an angespartem Überschuss für die Kanaren beschließen werde, was die gerechte Anerkennung der finanziellen Disziplin der Region darstellt.
Der Vorwurf des kanarischen Regierungschefs richtet sich nicht nur gegen die Ablehnung der Finanzierungsvereinbarung, sondern auch gegen die politische Strategie des PP, die seiner Ansicht nach die Interessen der Kanarischen Inseln nicht vertritt. Er verwies auf frühere Entscheidungen, etwa die Ablehnung der PP-Abgeordneten gegen die Verlegung unbegleiteter minderjähriger Migranten von den Kanaren auf das spanische Festland, die bereits als Verrat an den regionalen Belangen gewertet wurde. Torres kritisierte zudem, dass sich die PP mit fadenscheinigen Begründungen wie Urlaubsabwesenheit von Mitgliedern der eigenen Regierung auf den Kanaren dem Beschluss entziehe.
Die Opposition der kanarischen PP steht im Gegensatz zur Unterstützung durch andere regionale Akteure, darunter die Coalición Canaria, mit der Torres eine Einigung erzielen konnte, die als die beste Finanzierungsvereinbarung in der Geschichte der Kanaren gilt. Der Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass der spanische Kongress die Vereinbarung bestätigen wird, mahnte jedoch zugleich die kanarische Öffentlichkeit, das Abstimmungsverhalten der PP-Abgeordneten genau zu beobachten und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen.
Torres betonte, dass er als ehemaliger Präsident der Kanarischen Inseln in einer vergleichbaren Situation sofort gehandelt hätte, wenn eine Regierungsmitarbeiterin sich geweigert hätte, einen solchen wichtigen Beschluss mitzutragen. Er unterstrich die Bedeutung dieser Entscheidung für die Zukunft der Kanarischen Inseln und kritisierte, dass die PP stattdessen die regionale Entwicklung aus parteipolitischen Gründen blockiere.
Die Debatte um die neue Finanzierungsregelung für die Kanaren gewinnt angesichts der aktuellen politischen Spannungen in Spanien an Brisanz. Während der kanarische Präsident den Dialog und die Zusammenarbeit mit verschiedenen politischen Kräften betont, zeigt sich die kanarische PP in Opposition und verweigert die Unterstützung der Vereinbarung, die erhebliche finanzielle Mittel für die Region freisetzen würde. Die Entscheidung des spanischen Kongresses wird somit nicht nur über die künftige Finanzierung der Kanaren entscheiden, sondern auch über das politische Verhältnis zwischen den Parteien vor Ort.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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