Zwei zentrale Busbahnhöfe im Norden Teneriffas stehen seit Jahrzehnten für Vernachlässigung und gescheiterte Sanierungsversuche. Sowohl die Station in Tacoronte als auch die in Puerto de la Cruz prägen das Bild des öffentlichen Nahverkehrs in der Region – und zwar negativ. Trotz mehrfacher Ankündigungen und geplanter Projekte sind beide Verkehrsknotenpunkte in einem beklagenswerten Zustand, der Fahrgäste und Anwohner täglich belastet.
In Tacoronte, nahe dem historischen Ortskern und direkt an der TF-5, liegt die Busstation des Ortes seit Jahren brach. Ursprünglich sollte sie den Straßenverkehr entlasten, den lokalen Markt beherbergen und als wichtiger Verkehrsknotenpunkt dienen. Stattdessen präsentiert sich das Gebäude heute als halb fertige, verfallene Ruine. Müll türmt sich in den Räumen, die Fenster sind zerbrochen, und die Einzäunung ist verrostet. Anwohner berichten zudem von Überschwemmungen bei starkem Regen. Die Fassaden sind mit Graffiti übersät, und das Gelände wird von Unkraut überwuchert. Viele Einheimische empfinden den Zustand als beschämend für ihre Gemeinde.
Die Bedeutung des Bahnhofs hat stark abgenommen. Lediglich zwei Buslinien, die 021 nach Mesa del Mar und die 023 in Richtung Pris, halten hier. Die Betreiberfirma Titsa nutzt die Station kaum, da sie nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht. Stattdessen bedienen nahegelegene Haltestellen mehrere weitere Linien, darunter die 30, 102 und 104, welche die Hauptstadt Santa Cruz und den Flughafen mit dem Norden verbinden. Auch wichtige Linien wie die 011, 012 und 101 verkehren auf der benachbarten Hauptstraße.
Bereits 2022 hatte der Gemeinderat von Tacoronte eine Abrissentscheidung für den Busbahnhof getroffen, um Platz für neue Einrichtungen zu schaffen. Ein Projekt zur Umgestaltung sah 74 Parkplätze und verbesserte Fußwege vor. Der damalige Bürgermeister José Daniel Díaz kündigte eine Bauzeit von zwölf Monaten in drei Phasen an. Doch diese Pläne blieben unausgeführt und wurden wieder verworfen. Ein älteres Vorhaben aus den Jahren 2007 bis 2011, das den Bau eines siebengeschossigen Gebäudes mit 700 Parkplätzen und Büros vorsah, scheiterte ebenfalls. Die Stadt lässt das Areal seit Jahren verfallen, ohne eine klare Strategie für Abriss, Sanierung oder Nachnutzung.
In Puerto de la Cruz, etwa 20 Kilometer entfernt, zeichnet sich ein ähnliches Bild. Der alte Busbahnhof an der Melchor Luz Straße, zentral gelegen nahe Post, Notfallzentrum und Gesundheitsklinik, ist seit elf Jahren ungenutzt. Das 15.000 Quadratmeter große Areal verfällt zunehmend. Nach der Räumung der früheren Infrastruktur entstand eine Lücke im Logistikangebot. Die Folge: Busverbindungen mussten improvisiert und ausgelagert werden, was die Nutzer erheblich beeinträchtigt.
Die Vernachlässigung dieser beiden Verkehrsknotenpunkte hat konkrete Auswirkungen für alle, die in Nord-Teneriffa leben, arbeiten oder Urlaub machen. Pendler und Reisende finden oft keine adäquaten Umsteigemöglichkeiten. Die mangelnde Pflege der Anlagen mindert das Erscheinungsbild der Gemeinden und schwächt die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs. Für Auswanderer und Touristen, die auf verlässliche Mobilität angewiesen sind, stellt dies einen zusätzlichen Nachteil dar.
Die aktuelle Gemeindeverwaltung von Tacoronte, gebildet aus Sozialisten, Coalición Canaria und Partido Popular, hält sich mit konkreten Aussagen zum weiteren Vorgehen zurück. Man kündigt an, Informationen zu veröffentlichen, sobald sich eine Einigung ergibt. Bis dahin bleiben die Busbahnhöfe Symbole des Stillstands und der verpassten Chancen für eine moderne Verkehrsinfrastruktur im Norden der Insel.
Quelle: tenerifeweekly.com
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