Rund 68 Bildungseinrichtungen auf den Kanarischen Inseln stehen vor der Herausforderung, die gesetzlich vorgeschriebene Reduzierung der Schülerzahlen pro Klasse umzusetzen, obwohl sie nicht über ausreichend Raum für neue Klassenräume verfügen. Diese Schulen und Institute befinden sich vor allem im Süden Teneriffas sowie in bestimmten Gebieten von Fuerteventura und Lanzarote, wo das Bevölkerungswachstum die Kapazitäten der Schulen stark beansprucht.
Das spanische Bildungsministerium hat eine landesweite Senkung der maximalen Schülerzahlen pro Klasse vorgeschrieben, die in den autonomen Regionen innerhalb von etwas mehr als fünf Jahren umgesetzt werden soll. Die Kanarischen Inseln haben sich jedoch zum Ziel gesetzt, diese Vorgabe bereits bis zum Schuljahr 2027/2028 zu erfüllen – deutlich schneller als andere Regionen. Dies erfordert die Schaffung von 1.184 zusätzlichen Gruppen und wird mit Kosten von über 92 Millionen Euro veranschlagt.
Für jene 68 Schulen mit räumlichen Engpässen, die keine neuen Klassenräume bauen können, sieht die Consejería de Educación de Canarias eine alternative Lösung vor: Dort wird verstärkt auf die gemeinsame Unterrichtsform mit zusätzlichem Lehrpersonal gesetzt. Dabei wird ein zusätzlicher Lehrer in der Klasse eingesetzt, um die Aufteilung der Schülerzahlen trotz fehlender räumlicher Kapazitäten zu ermöglichen. Diese Maßnahme ist auch deshalb notwendig, weil Schüler mit besonderen Bildungsbedürfnissen (NEE) im Berechnungsmodell doppelt berücksichtigt werden.
Die Kanarischen Inseln verfügen derzeit über 10.698 Schüler mit besonderen Bildungsbedürfnissen (NEE) und weitere 33.084 Kinder mit spezifischem Unterstützungsbedarf (NEAE). Während die doppelte Berücksichtigung der NEE-Schüler für die Klassenbildungsregeln gilt, wird eine Ausweitung dieser Regelung auf die größere Gruppe der NEAE-Schüler von den Behörden kritisch gesehen, da dies eine Verdopplung der Klassenanzahl bedeuten würde, was mit den vorhandenen räumlichen und personellen Ressourcen nicht leistbar wäre.
Zur Verbesserung der Betreuung dieser Schülergruppen wurden in den letzten Jahren bereits deutlich mehr Fachkräfte eingestellt: Die Zahl der pädagogischen Therapeuten stieg um 21,3 Prozent auf aktuell 2.171, die Lehrkräfte für Hör- und Sprachförderung um 17,8 Prozent auf 411. Auch die Anzahl der Schulberater wuchs von 637 im Jahr 2023 auf 804.
Langfristig soll das im Jahr 2024 gestartete Strategische Infrastrukturprogramm für Bildung auf den Kanaren bis 2035 die räumlichen Engpässe abmildern. Dieses Programm sieht zahlreiche Erweiterungen bestehender Schulen und den Bau neuer Einrichtungen vor, insbesondere im Süden Teneriffas mit 19 Erweiterungen und zehn Neubauten sowie weiteren Maßnahmen auf Fuerteventura und Lanzarote.
Kritisch wird jedoch das Fehlen einer klaren staatlichen Finanzierungszusage für die Umsetzung der Klassenreduzierung gesehen. Ohne zusätzliche Mittel des spanischen Staates müssen die kanarischen Behörden die hohen Investitionen aus eigenen Ressourcen stemmen, was die Umsetzung erschweren könnte. Damit bleibt ungewiss, inwieweit die geplanten Maßnahmen flächendeckend realisierbar sind.
Für die betroffenen Eltern, Lehrkräfte und Bildungspolitiker auf den Kanarischen Inseln bedeutet dies, dass kurzfristig vor allem der Einsatz von mehr unterstützendem Personal die Qualität des Unterrichts sichern soll. Gleichzeitig zeigt die Situation, wie dringend Investitionen in die Bildungsinfrastruktur notwendig sind, um den demografischen Entwicklungen und den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Quelle: laprovincia.es
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