Die Kanarischen Inseln verzeichnen in diesem Jahr mehr Todesopfer durch Ertrinken als durch Unfälle auf Autobahnen. Bis dato sind auf dem Archipel bereits über 30 Menschen ertrunken – das entspricht etwa 15 Prozent der landesweit etwas mehr als 200 registrierten Ertrinkungsfälle. Damit führen die Kanaren die traurige Statistik als Region mit den meisten Ertrinkungsopfern in Spanien an.
Diese alarmierende Zahl stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Prävention und Selbstschutz an der Küste“, die gestern in Adeje auf Teneriffa stattfand. Dort trafen sich Experten aus den Bereichen Medizin, Rettung und Umwelttechnik, um die Hauptgefahren während des Sommers an den Küsten zu diskutieren. Neben Ertrinken standen auch Hitzschläge, Insektenstiche und die Wasserqualität der Badeorte auf der Agenda.
Eduardo Blasco, Rettungstaucher und Präventionsexperte, führte den Anstieg der Ertrinkungsunfälle auf mehrere Faktoren zurück: „Immer mehr Menschen baden länger im Jahr, und die Besucherzahlen an den Stränden sind durch die erhöhte Mobilität deutlich gestiegen.“ Dies erhöht die Risiken, vor allem an unbewachten oder schwer einsehbaren Küstenabschnitten.
Im medizinischen Teil der Veranstaltung erläuterte Notfallärztin Inmaculada Mora Peces die langfristigen Folgen von Sonnenexposition. Sie verglich die Schädigung durch UV-Strahlen mit einem Glas, das sich im Laufe des Lebens Tropfen für Tropfen füllt. Diese kumulativen Schäden können das Erbgut beeinträchtigen und zu schweren Erkrankungen führen. Sie warnte ausdrücklich davor, Sonnenschutzkapseln als Ersatz für Sonnencreme zu verwenden – diese seien lediglich eine Ergänzung.
Dr. Roberto Gómez Pescoso aus der Allgemeinmedizin wies darauf hin, dass Einheimische auf den Kanaren größtenteils ein Bewusstsein für die Gefahr der Sonne besitzen. Touristen hingegen möchten oft schnell braun werden, was häufig zu Sonnenbränden ersten und zweiten Grades führt, die dann medizinisch behandelt werden müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Qualität des Badewassers und den damit verbundenen Strandschließungen. Javier Dávara, Geschäftsführer des Inselrats für Wasserwirtschaft, stellte klar, dass in 85 Prozent der Fälle eine Verschmutzung nicht auf die Abwassernetze zurückzuführen ist, sondern auf externe Faktoren wie Boote, punktuelle Einleitungen oder fehlerhafte Probenahmen. Diese Vorfälle werden meist durch Gegenproben innerhalb von 24 Stunden widerlegt.
Die Infrastruktur zur Wasseraufbereitung hat sich auf Teneriffa in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Zahl der Kläranlagen stieg von vier auf 14, und täglich werden inzwischen rund 400.000 Kubikmeter Wasser gereinigt – das Vierfache im Vergleich zu vor vier Jahren. Fortschritte gibt es insbesondere in den Gemeinden Guía de Isora, Granadilla und Santiago del Teide.
Ernesto Iglesias Groth, technischer Leiter der Gemeinde Adeje, hob die Zuverlässigkeit des lokalen Überwachungssystems hervor. Die Wasserqualität werde rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr kontrolliert. Pumpstationen verfügen über redundante Mechanismen, die verhindern, dass ungeklärtes Abwasser an kritischen Stellen wie El Duque, La Caleta oder Callao Salvaje ins Meer gelangt.
Für Bewohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren bedeutet dies, dass die Küsten trotz der steigenden Zahl an Badeunfällen und Umweltbelastungen überwacht und geschützt werden. Dennoch sollten alle die Risiken am Wasser ernst nehmen, vorsichtig sein und die Hinweise von Rettungskräften beachten. Gleichzeitig bleibt die kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur entscheidend, um die Sicherheit und Gesundheit an den Stränden der Kanarischen Inseln zu gewährleisten.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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