Rund fünfzig soziale Gruppen und Organisationen versammelten sich gestern in La Laguna auf Teneriffa, um gegen die Wohnungsnot und die steigende Immobilien-Spekulation zu demonstrieren. Die Kundgebung wurde vom Sindicato de Inquilinas de Tenerife (SIT), dem Mieterinnen- und Mieterverband der Insel, organisiert. Mit lauten Parolen und Transparenten zogen die Teilnehmer durch mehrere Straßen der Stadt und machten so auf die zunehmenden Probleme bei Wohnraum aufmerksam.
Die Demonstration startete im Park Estudiante Javier Fernández Quesada und vereinte neben Gewerkschaften auch Nachbarschaftsvereine, Umweltgruppen, feministische Initiativen sowie Studierenden- und Kulturverbände der Kanarischen Inseln. Der SIT betonte, dass die breite Unterstützung zeige, wie sehr die Wohnungsnot zur sozialen Krise geworden ist. Insbesondere die Arbeiterklasse auf den Kanaren sei von der Entwicklung betroffen und brauche dringend eine kollektive Antwort.
Die Aktivisten kritisieren, dass die aktuelle Situation kein Zufall sei, sondern das Ergebnis eines Wirtschaftssystems, das Wohnraum zunehmend als Renditeobjekt begreift. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Mieten und Kaufpreise in vielen Gemeinden der Inseln verdoppelt – während die Löhne weitgehend stagnierten und die Lebensbedingungen sich verschlechterten. Besonders alarmierend sei die Lage in den Ballungsgebieten von Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife, wo große Immobilienbesitzer einen großen Teil des Mietmarktes kontrollieren.
Der SIT verweist darauf, dass die Krise auf den Kanaren eng mit der zunehmenden „Touristifizierung“ verbunden ist. Die Ausweitung von Ferienwohnungen, temporären Vermietungen und der verstärkte Zuzug ausländischer Investoren haben das Angebot an regulärem Wohnraum stark reduziert. Immer mehr Wohnungen werden zu Finanzanlagen und stehen der lokalen Bevölkerung nicht mehr dauerhaft zur Verfügung.
Als Reaktion auf diese Entwicklungen fordert der Sindicato de Inquilinas einen Notfallplan mit 13 sofort umzusetzenden Maßnahmen. Dazu gehören die Ausweisung sogenannter „angespannter Wohngebiete“ mit wirksamen Mietobergrenzen, eine konsequente Besteuerung leerstehender Wohnungen großer Eigentümer sowie ein Ende der spekulativen Immobilienkäufe. Zudem soll die Politik aufhören, mit Kampagnen gezielt digitale Nomaden anzuziehen, die die Wohnsituation weiter verschärfen.
Für Bewohner, Urlauber und Auswanderer auf den Kanaren bedeuten die steigenden Preise und die Verknappung des Wohnraums erhebliche Herausforderungen. Wer auf Teneriffa oder anderen Inseln eine bezahlbare Wohnung sucht, sieht sich oft mit hohen Mieten und einem engen Markt konfrontiert. Die Proteste zeigen, dass die soziale Frage um das Wohnen immer mehr in den Fokus rückt und die Forderung nach staatlichem Eingreifen wächst.
Die gestrige Demonstration in La Laguna war ein deutliches Signal gegen die Wohnungsnot und die Folgen einer spekulativen Immobilienpolitik, die viele Familien und Arbeitnehmer aus ihren Vierteln verdrängt. Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Klar ist aber, dass die Kanarischen Inseln vor einer sozialen Herausforderung stehen, die weit über den Tourismus hinausgeht und die Lebensqualität der Einwohner nachhaltig beeinflusst.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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