Die Ausschreibung des Cabildo de Gran Canaria zur umfassenden Renovierung des Stadions für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 ist ohne eingegangene Angebote geblieben. Keine nationale oder internationale Baufirma sah sich in der Lage, die geplante Maßnahme mit einem vorgesehenen Budget von 174,7 Millionen Euro umzusetzen. Dieses Scheitern wirft erhebliche Fragen zur realistischen Planung und Budgetierung des Projekts auf.
Die zentrale Ursache für das Ausbleiben von Angeboten liegt in der Diskrepanz zwischen den veranschlagten Kosten und den tatsächlichen Baukosten. Branchenvertreter führen an, dass das Budget bis zu 40 Prozent unter den erforderlichen Ausgaben liegt. Hinzu kommen enge Zeitvorgaben, hohe technische Anforderungen bei der Umsetzung sowie stark gestiegene Materialpreise. Die Kombination dieser Faktoren macht es für Unternehmen wirtschaftlich unverantwortlich, ein Angebot abzugeben, da sie mit Verlusten rechnen müssten.
Die geplante Umgestaltung des Stadions, bekannt unter dem Projektnamen „La Nube“, soll die Anlage auf FIFA-Standards heben. Das schließt eine neue, charakteristische Überdachung, verbesserte Barrierefreiheit und die Erweiterung der Zuschauer-Kapazität auf über 44.000 Plätze ein. Dieses Vorhaben ist nicht nur ein sportliches, sondern auch ein wirtschaftliches und touristisches Schwergewicht für Gran Canaria. Das Scheitern der Ausschreibung gefährdet den ehrgeizigen Zeitplan zur Fertigstellung bis 2029, ein Jahr vor Beginn der WM 2030.
Als Reaktion auf das Scheitern plant das Cabildo de Gran Canaria, ein sogenanntes Verhandlungsverfahren einzuleiten, um den Vergabeprozess zu retten. Dieses Vorgehen ist jedoch juristisch nur zulässig, wenn die Vertragsbedingungen nicht wesentlich geändert werden – was angesichts der notwendigen Budgeterhöhung kaum möglich erscheint. Zudem besteht das Risiko von Rechtsstreitigkeiten und Einsprüchen, die die Zeitpläne weiter verlängern könnten.
Das Scheitern der Ausschreibung wirft ein kritisches Licht auf die Verwaltungskompetenz des Cabildo. Die fehlende Realitätsnähe bei der Planung und die daraus resultierende Unsicherheit bei den Baufirmen untergraben das Vertrauen in die institutionelle Steuerung. Für die lokale Fußballmannschaft UD Las Palmas entstehen mögliche logistische Herausforderungen, da der Spielbetrieb während der Umbauphase gewährleistet werden muss, möglicherweise mit Auswärtsspielen.
Die verbleibenden vier Jahre bis zur Fußball-WM 2030 sind knapp bemessen. Jeder Zeitverlust verringert die Möglichkeiten, das Stadion rechtzeitig fertigzustellen. Um das Projekt doch noch zu realisieren, muss das Cabildo das Budget anpassen, klare und rechtssichere Bedingungen schaffen sowie die Verhandlungsbasis für die Unternehmen attraktiver gestalten. Die Bedeutung des Stadions für die wirtschaftliche und internationale Position Gran Canarias macht eine zügige und sorgfältige Neuausrichtung des Verfahrens zwingend erforderlich.
Quelle: laprovincia.es
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