Der kanarische Regionalminister für Territorialpolitik, Kohäsion und Wasser, Manuel Miranda, kündigte die Schaffung einer technischen Beratungsstelle an, die vor allem kleinere Gemeinden bei Projekten zur Abwasserreinigung und -behandlung unterstützen soll. Diese Initiative reagiert auf die steigenden Anforderungen der europäischen Umweltgesetzgebung, die insbesondere für Kommunen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen eine Herausforderung darstellen. Die Zuständigkeit für die Abwasserbehandlung liegt grundsätzlich bei den Gemeinden, bei solchen unter 20.000 Einwohnern übernehmen die Inselräte diese Aufgabe. Miranda betonte, dass die europäische Gesetzgebung zunehmend verschärft wird und die Kanarischen Inseln neue Mechanismen benötigen, um die strengeren Umweltschutzauflagen erfüllen zu können. Konkret bezog er sich auf die Umsetzung der EU-Richtlinie 2024/3019, die derzeit in der Anhörungsphase ist und voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2027 in Kraft treten wird. Diese Richtlinie senkt die Mindestanforderungen an die Abwasserbehandlung für ganz Europa, berücksichtigt jedoch nicht die besonderen geografischen und infrastrukturellen Herausforderungen der Kanaren. Dazu zählen unter anderem verstreute Siedlungsgebiete, lange Leitungswege, notwendige Pumpanlagen sowie die Nähe zu Schutzgebieten und Barrancos. Die kanarische Regierung unterstützt die Umweltziele der Richtlinie, fordert jedoch eine angepasste Anwendung, die die spezifischen Bedingungen des Archipels berücksichtigt. Zu diesem Zweck wurde bereits Kontakt mit der spanischen Zentralregierung aufgenommen, um eine Sonderregelung und zusätzliche finanzielle Mittel gemäß Artikel 349 des EU-Gründungsvertrags zu erwirken. Vorgesehen ist eine zusätzliche Bestimmung in der Richtlinie, die ein kanarisches Anpassungsprogramm vorsieht, individuelle Klärsysteme als Lösung prüft und einen realistischen Zeitplan mit entsprechender Finanzierung erstellt. Neben den Gesprächen mit dem Ministerium für Umwelt und Klimawandel (MITECO) sind weitere Treffen mit den Inselräten geplant. Die angekündigte technische Unterstützungsstelle soll insbesondere kleineren Gemeinden helfen, die Anforderungen der Abwasserbehandlung umzusetzen. Sie wird ähnlich organisiert sein wie eine bereits etablierte technische und städtebauliche Beratungsstelle, die sich als erfolgreich erwiesen hat. Parallel dazu verwaltet die kanarische Regierung derzeit rund 70 Millionen Euro aus verschiedenen öffentlichen Fördermitteln, die in strategische Projekte zur Verbesserung der Abwasserinfrastruktur auf allen Inseln fließen. Beispiele dafür sind neue Systeme auf La Graciosa, in Playa Blanca (Lanzarote), Puerto del Rosario (Fuerteventura), San Blas (Teneriffa), El Paso (La Palma), El Cotillo (Fuerteventura) und Valle Gran Rey (La Gomera). Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist entscheidend für die kommunale Infrastruktur und den Umweltschutz auf den Kanaren, insbesondere für kleinere Gemeinden, die bisher Schwierigkeiten mit der Einhaltung der verschärften Vorgaben hatten.
Quelle: lavozdefuerteventura.com
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