Die Kanarischen Inseln stehen weiterhin vor bedeutenden wirtschaftlichen Herausforderungen, die in einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission zu Spanien zusammengefasst wurden. Trotz der bereits bekannten Schwächen der Region weist der Bericht darauf hin, dass die Inseln ihre Produktivität erhöhen, die Innovationskraft stärken und ihre wirtschaftliche Struktur diversifizieren müssen. Diese Probleme sind nicht neu, doch die europäische Bewertung fasst sie erstmals in einem Gesamtbild zusammen, was den Handlungsdruck für die Region erhöht.
Die Inseln leiden unter einer der niedrigsten Produktivitätsraten in der Europäischen Union. Gleichzeitig bleibt die private Investition in Forschung und Entwicklung hinter den Anforderungen zurück. Die Wirtschaft ist stark abhängig vom Tourismussektor, was die Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks erhöht. Zusätzlich erschweren Herausforderungen in Bereichen wie Wohnraum, Bildung und Energie die wirtschaftliche Entwicklung.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Kanaren mit spezifischen strukturellen Nachteilen zu kämpfen haben, die andere Regionen nicht in gleichem Maße betreffen. Die geografische Fragmentierung, die Entfernung zu großen Produktionszentren, ein kleiner Binnenmarkt sowie höhere Kosten für Transport, Energie und Versorgung prägen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese Faktoren gelten als typische Merkmale der sogenannten Ultrapherifizität, für deren Ausgleich die Europäische Union finanzielle Unterstützung bereitstellt.
Diese Fördermittel hatten jedoch nicht vorrangig das Ziel, die Wirtschaft der Kanaren zu diversifizieren, sondern sollten vor allem die strukturellen Nachteile ausgleichen, die Lebensqualität verbessern und die lokale Wirtschaft fördern. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass sich die Region von einer Gesellschaft mit erheblichen Defiziten zu einem Gebiet mit moderner Infrastruktur, verbesserten öffentlichen Dienstleistungen und einem stabileren Unternehmensnetzwerk gewandelt hat.
Die Kanarischen Inseln verfügen heute über etablierte Sektoren wie den Tourismus, die Hafenlogistik, die Agrarindustrie, die Luftfahrt und die Wissensökonomie. Zudem wurden neue Geschäftsfelder erschlossen, darunter Meeresforschung, Biotechnologie, erneuerbare Energien, Mikrochipproduktion und die Luft- und Raumfahrtindustrie. Auch medizinisch sind Fortschritte erkennbar, etwa durch Herz- und Lungentransplantationen in regionalen Krankenhäusern. Diese Fortschritte wären ohne die Unterstützung der EU und eine vergleichsweise effiziente Mittelverwaltung kaum möglich gewesen.
Trotz dieser Erfolge bleiben die Herausforderungen bestehen. Die wirtschaftliche Diversifizierung muss nicht zwangsläufig gegen den Tourismus gerichtet sein. Vielmehr kann dieser als Motor dienen, um eine komplexere und technologisch fortschrittlichere Wirtschaft zu fördern. Die Branche bietet Chancen für Innovationen in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Datenmanagement, Nachhaltigkeit, Gesundheit, Kultur, Mobilität und digitale Dienstleistungen. Entscheidend ist, nicht nur mehr Besucher anzuziehen, sondern den wirtschaftlichen Nutzen, der aus dem Tourismus entsteht, besser zu nutzen und in Form von Unternehmen, Wissen, Technologie und qualifizierten Arbeitsplätzen auf den Inseln zu halten.
Ein weiterer Hemmschuh ist die angespannte Wohnraumsituation. Eine wachsende Wirtschaft und steigende Bevölkerungszahlen führen zu einer erhöhten Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Die Unfähigkeit, ausreichend Wohnraum zu schaffen, belastet sowohl die Familien als auch die Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Ohne eine Verbesserung dieser Lage ist die wirtschaftliche Entwicklung gefährdet.
Die EU wird weiterhin die zusätzlichen Kosten und Nachteile der Ultrapherifizität ausgleichen müssen. Gleichzeitig ist es aber unerlässlich, dass die Kanarischen Inseln ihre Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität intensivieren und das vorhandene Wissen stärker nutzen, um eine Wirtschaft mit höherem Einkommen aufzubauen. Die Region steht vor der Aufgabe, ihre wirtschaftliche Stärke im Tourismus mit einer notwendigen wirtschaftlichen Transformation zu verbinden, sodass beide Bereiche sich gegenseitig beflügeln.
Quelle: laprovincia.es
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