In der Hauptstadt Fuerteventuras, Puerto del Rosario, sind nach Angaben der zuständigen Rathausmitarbeiterin Toñi F. Aragón zwischen 300 und 400 Wohnungen besetzt – eine Zahl, die sie selbst als zu niedrig einschätzt. Die Besetzungen erstrecken sich über mehrere Stadtteile, darunter die Urbanisation Marlape sowie die Gebiete Rosa Vila und Avenida Almirante Lallermand. Viele der betroffenen Immobilien gehören der Sareb, der spanischen Immobilienbank, die trotz der kritischen Lage bislang kaum reagiert hat.
Besonders alarmierend sind die baulichen Veränderungen und Blockaden, die in den besetzten Gebäuden vorgenommen werden. Aragón berichtet von improvisierten Umbauten mit Holzplatten, Gipskarton und Betonblöcken, die Zugänge versperren. An mehreren Häusern sind Betonhindernisse von bis zu einem Meter Höhe errichtet worden, die den Zugang für Rettungsfahrzeuge erheblich behindern und somit ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Die Stadträtin beklagt, dass sie keine rechtlichen Befugnisse besitzt, um diese Maßnahmen direkt zu stoppen, und fordert eine klare Bestimmung der Eigentumsverhältnisse sowie konsequentes Handeln.
Die Sareb wird von Aragón dafür kritisiert, dass sie sich weigert, Lösungen anzubieten oder entsprechende Wege für eine legale Nutzung der Immobilien zu eröffnen. Die Stadträtin hat bereits Gespräche mit Vertretern der Sareb und einer Senatorin geführt, um die dringende Notwendigkeit von Wohnraum in Puerto del Rosario zu unterstreichen. Ein Vorschlag, einige der besetzten Wohnungen in Rosa Vila als Sozialwohnungen zu legalisieren und so die dort lebenden Familien zu integrieren, wurde bislang nicht aufgegriffen.
Die Nachfrage nach sozialem Wohnraum in Puerto del Rosario ist hoch. Nach Schätzungen der Stadträtin befinden sich 500 bis 600 Personen oder Familien auf der Warteliste für geförderten Wohnraum. Die Legalisierung und Sanierung der besetzten Gebäude könnte den Druck auf den Wohnungsmarkt deutlich senken und bis zu 70 Prozent der Nachfrage abdecken. Dennoch mangelt es offenbar an politischem Willen und finanziellen Investitionen für eine nachhaltige Lösung.
Die Situation in der Urbanisation Marlape ist besonders prekär, da die dortigen rund 85 bis 87 Wohnungen nicht als Sozialwohnungen eingestuft werden können. Die Gefahr eines baldigen Räumungs- und Abrissverfahrens für diese Objekte bereitet der Stadträtin Sorgen, da viele Bewohner in Notlagen leben. Sie fordert eine individuelle Bewertung der Bewohner, um zwischen schutzbedürftigen Familien und anderen Besetzern zu unterscheiden und angemessene Alternativen anzubieten.
Weiterhin kritisiert Aragón die kanarische Regierung für die mangelnde Bereitstellung von öffentlichem Wohnraum und die fehlende Kommunikation bezüglich geplanter Neubauprojekte. So ist etwa die Wohnanlage Bernegal in El Matorral seit der Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen nicht vorangekommen, und auf Anfragen reagiert die zuständige Behörde nicht. Auch die Erweiterung der Wohnprojekte in La Hubara sowie ein Projekt mit 24 Wohnungen in Rosa Vila verzögern sich erheblich.
Abschließend fordert die Stadträtin, dass das Thema Wohnen nicht erneut für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert wird, sondern dass endlich konkrete Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung der Bewohner in Puerto del Rosario erfolgen. Die Situation bleibt angespannt, da weiterhin neue Familien aus anderen Teilen der Insel in besetzte Wohnungen ziehen und bisher keine tragfähige Lösung für die zahlreichen illegalen Wohnsituationen gefunden wurde.
Quelle: lavozdefuerteventura.com
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