In Las Palmas de Gran Canaria droht ein Großteil des historischen Erbes zu verfallen. Trotz der offiziellen Anerkennung als „Bien de Interés Cultural“ (BIC) stehen viele bedeutende Bauwerke vor dem Ruin. Aktuell zählt die Hauptstadt 31 solcher geschützter Stätten, darunter Monumente, historische Ensembles und archäologische Fundstätten. Besonders alarmierend ist der Zustand der Baterías de San Juan und der Casa del Niño, die beide in den letzten Jahren stark vernachlässigt wurden.
Die Baterías de San Juan, ein wichtiges historisches Bauwerk aus der Zeit der Kuba-Kriege, wurde 2018 als BIC anerkannt. Diese Festung sollte einst den südlichen Flügel der Hauptstadt verteidigen. Heute sind die Mauern stark beschädigt, und der Komplex ist mit Graffiti und Müll übersät. Ein umfassender Reinigungsauftrag des Urbanismusbereichs im Jahr 2020 brachte 19.000 Kilo Abfall zutage, darunter alte Matratzen und Motorradchassis. Dennoch bleibt die Festung ein beliebter Ort für Vandalismus und illegale Aktivitäten.
Zwar hat die Stadtverwaltung erste Schritte zur Sicherung und Restaurierung unternommen, doch die Fortschritte sind schleppend. Der Kulturbeauftragte Josué Íñiguez kündigte an, dass eine Million Euro für die Erhaltung des Castillo de San Francisco, einem weiteren BIC, reserviert sind. Dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Bauwerk wurde 1949 zum BIC erklärt und zeigt mittlerweile deutliche Spuren des Verfalls. Seit der Übernahme durch die Stadt im Jahr 2004 wurde nur wenig für die Instandhaltung unternommen.
Die Casa del Niño, ein ehemaliges Waisenhaus aus dem Jahr 1939, steht ebenfalls vor dem Verfall. Trotz des höchsten Schutzstatus wird das Gebäude zusehends maroder. Es ist ein Beispiel für die unzureichende Pflege von historischen Stätten in der Region, die oft in Vergessenheit geraten.
Die Stadtverwaltung hat einen Plan zur umfassenden Sanierung der Baterías in Auftrag gegeben, doch dieser bleibt bislang unveröffentlicht. Das Projekt ist mit der Bewerbung Las Palmas‘ um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“ verbunden. Die dringenden Maßnahmen zur Rettung des kulturellen Erbes stehen im Widerspruch zur Realität, in der viele dieser Stätten weiterhin verwahrlosen.
Die Situation wirft Fragen zur Verantwortung der Behörden auf, die für den Schutz und Erhalt des kulturellen Erbes zuständig sind. In Anbetracht der Bedeutung dieser historischen Stätten für die Identität der Stadt und die Anziehungskraft für Touristen ist ein schnelles Handeln unerlässlich. Der Verfall dieser Gebäude könnte nicht nur das kulturelle Erbe der Stadt gefährden, sondern auch negative Auswirkungen auf den Tourismus und das allgemeine Stadtbild haben.
Für Besucher und Einwohner von Las Palmas ist es wichtig, sich der Herausforderungen bewusst zu sein, die mit dem Erhalt dieser historischen Stätten verbunden sind. Die Stadt hat eine reiche Geschichte, die es wert ist, geschützt und bewahrt zu werden, bevor es zu spät ist. Ohne sofortige Maßnahmen könnte Las Palmas bald nicht nur ein kulturelles Erbe, sondern auch einen Teil seiner Identität verlieren.
Quelle: laprovincia.es
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