Die kürzlich veröffentlichte Ley de Municipios Turísticos der Kanarischen Inseln hat scharfe Kritik von Drago Canarias hervorgerufen. Die Organisation bemängelt, dass das Gesetz die Entwicklung des Massentourismus begünstigt, da es keine verbindlichen Obergrenzen für touristische Betten, Mietfahrzeuge, Wasserverbrauch, Abfallmengen oder den Verlust von Wohnraum festlegt. Diese Lücken führen laut Drago Canarias zu einer Überlastung der Gemeinden, die mit einer stark erhöhten touristischen Nachfrage konfrontiert werden, ohne dass ausreichend Schutzmechanismen für die lokale Bevölkerung existieren.
Das Parlament der Kanarischen Inseln hatte die Gesetzgebung Anfang Juli 2026 verabschiedet, um touristische Gemeinden zu definieren und zu fördern. Drago Canarias sieht jedoch eine verpasste Chance, nachhaltige Grenzen zu setzen und den ökologischen sowie sozialen Herausforderungen des Tourismussektors gerecht zu werden. Besonders kritisiert wird, dass Gemeinden mit hoher touristischer Belastung als „exzellent“ eingestuft werden, obwohl die Zahl der Besucher dort die Einwohnerzahl vielfach übersteigt. Diese Situation führt zu einer starken Beanspruchung öffentlicher Dienste und verschärft die Wohnraumknappheit für Einheimische.
Weiterhin weist Drago Canarias darauf hin, dass das Gesetz keine ausreichenden Schutzmaßnahmen für kleine Wohnungsbesitzer vorsieht. Stattdessen profitieren vor allem große Hotelbetreiber, während Familien, die in traditionellen touristischen Komplexen wohnen, weiter unter Unsicherheiten leiden. Die Abhängigkeit der Gemeinden von hohen Belegungszahlen, um ihre touristische Einstufung und damit verbundene Fördermittel zu erhalten, schafft ein Anreizsystem, das eine weitere Ausweitung des Massentourismus fördert.
Auch andere gesellschaftliche Gruppen hatten bereits während des Gesetzgebungsverfahrens vor den Folgen für Umwelt und lokale Gemeinschaften gewarnt. Die Kritik umfasst die Befürchtung, dass Kosten für öffentliche Dienstleistungen wie Reinigung, Wasserversorgung oder Sicherheit zunehmend auf die Allgemeinheit übertragen werden, während der wirtschaftliche Nutzen bei privaten Unternehmen verbleibt.
Drago Canarias fordert stattdessen eine nachhaltige Tourismusplanung, die auf eine Begrenzung des Wachstums und eine Orientierung an der ökologischen Kapazität der einzelnen Inseln setzt. Die Organisation betont, dass die Lebensqualität der Einwohner und der Schutz der natürlichen Ressourcen Vorrang haben müssen. Zumindest wurde im Gesetz eine flexiblere Behandlung der sogenannten grünen Inseln wie La Palma, La Gomera und El Hierro verankert, die eine Besonderheit im Umgang mit Tourismus anerkennt.
Die neue Ley de Municipios Turísticos wird damit zum Brennpunkt einer wichtigen Debatte über die Zukunft des Tourismus auf den Kanaren. Für die Bewohner der Inseln bedeutet sie eine Herausforderung, da sie sich zwischen dem wirtschaftlichen Nutzen und den Belastungen für Umwelt und Wohnraum neu positionieren müssen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die gesetzliche Grundlage noch nachjustiert wird, um eine ausgewogenere Tourismusentwicklung zu ermöglichen, die den Bedürfnissen der Bevölkerung besser gerecht wird.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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