Ab dem 3. September 2023 wird die Europäische Union den Import von Rind- und Geflügelfleisch aus Brasilien auf die Kanarischen Inseln verbieten. Dieses Verbot betrifft rund die Hälfte der Fleischimporte auf den Inseln und führt zu erheblichen Versorgungsengpässen sowie steigenden Preisen. Die Maßnahme resultiert aus Verstößen Brasiliens gegen EU-Gesundheitsanforderungen, insbesondere im Hinblick auf den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, der die Entstehung resistenter Bakterien begünstigt.
Die Kanarischen Inseln beziehen jährlich etwa 28.000 Tonnen Geflügelfleisch und 15.000 Tonnen Rindfleisch aus Brasilien. Besonders stark abhängig ist die Region beim Geflügel: 95 Prozent der konsumierten Hähnchenbrust stammen von dort. Das EU-Importverbot ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets, das auch andere Produkte wie Milch, Fisch und Honig umfasst, die auf den Kanaren jedoch weniger relevant sind.
Die Lebensmittelindustrie und Importeur:innen der Kanaren arbeiten derzeit intensiv daran, alternative Bezugsquellen zu finden, um die entstandene Lücke wenigstens teilweise zu schließen. Dies gestaltet sich insbesondere beim Geflügelfleisch schwierig, da kurzfristig kaum andere Lieferanten gefunden werden können. Für Rindfleisch bieten innerhalb des Mercosur-Verbunds vor allem Argentinien und Uruguay etablierte Alternativen, die international anerkannt sind.
Jorge Escuder, Präsident der Asociación de Industriales de Canarias (Asinca), betont, dass das Verbot aufgehoben wird, sobald brasilianische Produzenten die erforderliche Rückverfolgbarkeit ihrer Fleischprodukte gemäß EU-Vorgaben garantieren können. Bis dahin müsse mit Preiserhöhungen gerechnet werden, die insbesondere Verbraucher mit geringem Einkommen treffen könnten, da Geflügel in der Region häufig als erschwingliche Proteinquelle genutzt wird.
Die lokale Fleischproduktion auf den Kanarischen Inseln kann nur einen kleinen Teil des Bedarfs decken: etwa 15 Prozent beim Geflügel und lediglich sechs Prozent beim Rindfleisch. Die Suche nach Lösungen wird nach Einschätzung von Asinca bei Geflügel drei bis vier Monate dauern, während sich die Situation beim Rindfleisch aufgrund längerer Aufzuchtzeiten erst in bis zu zwei Jahren entspannen könnte.
Das Importverbot stellt die Versorgungssicherheit der Kanarischen Inseln vor große Herausforderungen. Die Versorgungslücken und die zu erwartenden Preissteigerungen wirken sich direkt auf Verbraucher, Händler und die Lebensmittelindustrie aus. Die Behörden und Wirtschaftstreibenden der Region sind gefordert, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und die lokale Produktion zu stärken, um künftige Krisen besser abfedern zu können.
Quelle: laprovincia.es
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