Die Insel Fuerteventura stellt sich klar hinter die Einführung einer Tourismusabgabe auf den Kanaren, fordert dabei aber eine differenzierte Betrachtung mit regionalem Ausgleich und einem Rückfluss der Einnahmen an die betroffenen Destinationen. Marlene Figueroa, die Tourismusbeauftragte des Cabildo von Fuerteventura, machte in einem Interview mit Radio Insular deutlich, dass der Kanarische Regierungsrat den Diskurs über eine solche Abgabe dringend führen müsse. Sollte sich keine gemeinsame Lösung auf Archipel-Ebene finden, erwäge Fuerteventura eigene Modelle, um touristische Belastungen gezielt in Verbesserungen auf der Insel umzuwandeln.
Figueroa verweist auf bestehende Beispiele in anderen europäischen Reisezielen, in denen Tourismusabgaben üblich sind und von vielen Reiseveranstaltern akzeptiert werden. Die Debatte müsse die Besonderheiten der nicht-kapitalen Inseln berücksichtigen und eine echte regionale Kohäsion fördern. Sie betont, dass die Einführung einer Tourismusabgabe spätestens 2026 oder 2027 auf der politischen Agenda stehen sollte. Dabei grenzt sie die Abgabe zur Nutzung von Schutzgebieten, wie etwa der Insel Lobos, klar ab. Solche Zugangsgebühren bezeichnet sie als „Zugangspreise zu Naturräumen“ und nicht als allgemeine Tourismussteuer.
Die Insel Fuerteventura sieht sich in der Diskussion als eigenständige Einheit mit spezifischen Bedürfnissen. Figueroa kritisiert, dass innerhalb des Archipels oft nur die kanarische Identität gegenüber dem spanischen Staat oder der EU betont werde, aber nicht innerhalb der Inselgruppe selbst. „Man kann das Prinzip der Besonderheit nicht nach Belieben anwenden“, sagt sie. Diese Haltung soll sicherstellen, dass gerade die kleineren Inseln wie Fuerteventura von touristischen Beiträgen profitieren und nicht benachteiligt werden.
Neben der Debatte um die Tourismusabgabe zieht die Tourismusbeauftragte eine positive Bilanz für den bevorstehenden Sommer. Die Buchungslage auf Fuerteventura zeigt eine Rückkehr zu saisonalen Mustern mit Auslastungen in manchen Regionen von rund 89 Prozent, in anderen bei etwa 85 Prozent. Trotz der Streichung von Ryanair-Flügen im nationalen Bereich konnte der Rückgang auf dem Heimatmarkt durch verstärkte Bemühungen des Tourismusbüros und die Kooperation mit anderen Fluggesellschaften auf nur etwa 0,5 Prozent unter dem Niveau von 2025 gehalten werden.
Figueroa bewertet die Arbeit des Patronato de Turismo in den letzten drei Jahren als deutlich verbessert. Von einem anfänglichen Nullpunkt habe man sich auf eine Bewertung von 8,5 bis 9 von 10 hochgearbeitet. Die Schwerpunkte liegen auf der Stärkung der Flugverbindungen, der Marktdiversifizierung und der gezielten Promotion der Insel.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Plan für nachhaltigen Tourismus, der mit 9,3 Millionen Euro ausgestattet ist. Dieser Plan umfasst 15 Hauptmaßnahmen und rund 22 Unterprojekte auf der Insel. Dazu zählen die Restaurierung historischer Gebäude wie der Torre del Tostón und des Mercado de la Casa del Coronel, die Installation von Starlight-Beleuchtung in Cofete sowie Verbesserungen an Stränden mit neuen Stegen, Duschen, Schattenbereichen und barrierefreien Zugängen. Rettungssysteme entlang der Küste und der Bau des neuen Aussichtspunktes Mirador de Morro Velosa sollen bis Ende 2026 oder Anfang 2027 fertiggestellt sein und zur Attraktivitätssteigerung beitragen.
Die Sicherheitslage in El Castillo und angrenzenden Bereichen bleibt ein Thema. Trotz Beschwerden von Unternehmern und Anwohnern über Diebstähle und den Verfall öffentlicher Räume verweisen offizielle Zufriedenheitsumfragen darauf, dass Sicherheit bisher kein Hauptproblem für Touristen darstellt. Dennoch erkennt Figueroa Handlungsbedarf an, um diese wichtigen touristischen Startpunkte zu revitalisieren. Sie fordert eine ganzheitliche Betrachtung des Tourismus im gesamten Municipio Antigua, nicht nur in Caleta de Fuste, um Defizite bei Sauberkeit, Sicherheit, öffentlichen Flächen, interner Mobilität und Transport zu beheben.
Abschließend äußerte sich die Tourismusbeauftragte skeptisch zur aktuellen politischen Lage in Antigua. Die anstehende Misstrauensabstimmung sieht sie als Zeichen von Instabilität, die kurzfristig wenig positive Veränderungen erwarten lässt. Insgesamt bleibt das Ziel, Fuerteventura als nachhaltiges und attraktives Reiseziel zu positionieren und touristische Einnahmen gezielt für die Weiterentwicklung der Insel einzusetzen.
Quelle: lavozdefuerteventura.com
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