Die Kanarischen Inseln sind mit etwa 146 Tagen pro Jahr besonders häufig von Calima betroffen. Dieses Wetterphänomen führt dazu, dass feine Staubpartikel aus der Sahara in die Atmosphäre transportiert werden und die Luftqualität erheblich beeinträchtigen. Damit ist Calima an rund 40 Prozent der Tage auf den Inseln präsent – mehr als in Südspanien oder im Nordosten der Iberischen Halbinsel.
In den letzten Jahren haben sich die Calima-Ereignisse auf den Kanaren sowohl in Häufigkeit als auch in Intensität verstärkt. Messungen aus den Jahren 2020 bis 2022 zeigen, dass die Konzentrationen der Feinstaubpartikel PM10 während extremer Calima-Phasen Rekordwerte von bis zu 1840 Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen können. Das liegt weit über den empfohlenen Grenzwerten von 50 Mikrogramm und birgt damit erhebliche gesundheitliche Risiken.
Calima entsteht durch atmosphärische Zirkulationen, die trockene Luftmassen und Wüstenstaub aus Nordafrika in Richtung Kanaren und Europa transportieren. Die Zunahme dieser Ereignisse wird mit veränderten Luftströmungen, erhöhter Trockenheit in Nordafrika sowie dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Diese Faktoren begünstigen die Ausbreitung der Sahara-Wüsten und damit die Emission von mehr Staubpartikeln.
Die in der Calima enthaltenen Partikel bestehen zu etwa 70 Prozent aus Wüstensand, während zwischen 15 und 18 Prozent der Feinstaubbelastung auf industrielle Verschmutzungen aus Nordafrika zurückzuführen sind. Dortige Emissionen aus Raffinerien, Kraftwerken und anderen Industrien werden mit den Staubwolken über die Kanaren verfrachtet und verschärfen die Luftverschmutzung zusätzlich.
Diese erhöhte Staubbelastung wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Studien am Universitätskrankenhaus der Kanaren verknüpfen die stärkeren Calima-Ereignisse mit einer Zunahme von Atemwegserkrankungen und Herzinfarkten. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Personen und Kinder.
Im Vergleich zu anderen Regionen Spaniens sind die Kanaren mit 40 Prozent der Tage besonders stark betroffen. Im Süden des Festlands sind es rund 35 Prozent der Tage mit Calima, im Nordosten etwa 25 bis 30 Prozent. Die Kanaren erleben zudem häufiger sogenannte „Supercalimas“ mit außergewöhnlich hohen Staubkonzentrationen.
Für Einwohner, Urlauber und Gesundheitsbehörden auf den Kanaren ist das ein wichtiges Thema, da die Calima-Episoden wiederkehrend sind und die Luftqualität stark verschlechtern können. Es empfiehlt sich, bei solchen Wetterlagen den Aufenthalt im Freien einzuschränken, insbesondere für empfindliche Personen.
Die weitere Entwicklung der Calima-Häufigkeit hängt auch von klimatischen Veränderungen ab, die aktuell zu einer stärkeren Ausbreitung von Wüstengebieten und veränderten Luftströmungen führen. Die Kanaren bleiben somit eine der Regionen mit der höchsten Belastung durch Sahara-Staub in Europa. Die Beobachtung und Analyse dieser Wetterphänomene ist deshalb für die Region von großer Bedeutung.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
Zum Original