Die Regierung der Kanarischen Inseln hat an Brüssel und die spanische Zentralregierung appelliert, ihnen eine direkte Beteiligung an der Ausgestaltung der Migrationspolitik zu ermöglichen. Hintergrund ist die jüngste Krise in Ceuta, bei der innerhalb kurzer Zeit rund 72.000 Menschen aus Marokko die spanische Exklave erreichten und fast 200 Menschen ihr Leben verloren. Die Kanaren, als Grenzregion Europas zum afrikanischen Kontinent, sind unmittelbar von solchen humanitären Herausforderungen betroffen und fordern deshalb koordinierte Protokolle und eine strategische Planung statt reiner Krisenreaktion.
Octavio Caraballo, Vizechef des Kabinetts des kanarischen Präsidenten, unterstrich die Dringlichkeit, von einer reinen Notfallverwaltung zu einem vorausschauenden Management zu wechseln. Derzeit würden wichtige europäische und nationale Migrationsabkommen, wie der erst vor zwei Monaten in Kraft getretene Europäische Pakt für Migration und Asyl, ohne Einbeziehung der Grenzregionen entworfen. Dies führe zu einer mangelnden Berücksichtigung der besonderen Herausforderungen, denen die Kanaren als Einfallstor für afrikanische Migranten ausgesetzt sind.
Die Forderung nach mehr Mitspracherecht wird durch die Ergebnisse eines Workshops untermauert, der vom Spanischen Institut für Migrationsanalyse (IEAM) gemeinsam mit der kanarischen Regierung organisiert wurde. Der Workshop mit dem Titel „Atlantische Route, Sahel und Kanaren“ brachte Experten, Sicherheitskräfte, internationale Organisationen und humanitäre Akteure zusammen, um die Steuerung der Migrationsbewegungen zu diskutieren.
Die Teilnehmer betonten, dass die Kanaren nicht nur als Empfangsort fungieren sollten, sondern eine dauerhafte Präsenz in den Entscheidungsorganen benötigen, die über Vereinbarungen entscheiden, welche die Region betreffen. Ein rein maritimes oder abschottendes Denken müsse überwunden werden. Zu den vorgeschlagenen Strategien zählen die Bekämpfung krimineller Wirtschaftsstrukturen, die Stärkung legaler Migrationswege, der Schutz von Frauen und Minderjährigen sowie die Etablierung der Kanaren als Plattform für dezentralen Dialog und Kooperation zwischen Europa und Westafrika.
Diese Forderungen reflektieren die komplexe Lage der Kanarischen Inseln, die einerseits als europäische Außengrenze eine wichtige Rolle in der Migrationsbewegung spielen und andererseits vor großen humanitären und sicherheitspolitischen Herausforderungen stehen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Kanarische Regierung mit ihrer Forderung nach mehr Einfluss bei der Gestaltung der Migrationspolitik durchdringen kann und wie die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ebenen verbessert wird.
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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