Die Landwirtschaft und die Agroindustrie auf den Kanarischen Inseln schlagen Alarm: Das bewährte Unterstützungsprogramm POSEI, das jährlich rund 268 Millionen Euro für die Region bereitstellt, steht auf dem Spiel. Vertreter der wichtigsten Berufsorganisationen und Verbände wie Asaga, COAG, UPA, Palca und Asinca haben sich zusammengeschlossen, um den Fortbestand des Programms in seiner aktuellen Form zu verteidigen. Besonders der Bananenanbau profitiert mit 141 Millionen Euro jährlich von diesen Mitteln.
POSEI ist ein spezielles EU-Förderprogramm, das die wirtschaftlichen Nachteile der Kanaren als Region mit ultraperipherer Lage ausgleicht. Es sichert finanzielle Mittel für die lokale Produktion und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Die aktuelle Finanzierungsperiode 2021–2027 hat das Programm trotz eines ursprünglich von der EU-Kommission vorgeschlagenen Kürzungsanteils von 3,9 Prozent stabil gehalten. Nun droht jedoch eine Umstrukturierung im neuen mehrjährigen EU-Haushalt 2028–2034: Die EU-Kommission erwägt, die POSEI-Mittel in nationale Pläne der Mitgliedsstaaten zu integrieren und somit die Autonomie des Programms aufzugeben.
Diese geplante Änderung sorgt bei den kanarischen Akteuren für große Besorgnis. Sie befürchten, dass die Einbindung in nationale Strukturen die spezifischen Bedürfnisse der Inseln nicht mehr ausreichend berücksichtigt. Die einzigartige Lage der Kanaren erfordert maßgeschneiderte Maßnahmen, um die strukturellen Mehrkosten zu kompensieren, die durch Insellage, Logistik und andere Faktoren entstehen. Ein Verlust der eigenständigen Finanzierung könnte zu höheren Produktionskosten und Wettbewerbsnachteilen gegenüber dem Festland führen.
Die beteiligten Organisationen berufen sich auf Artikel 349 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, der die Mitgliedsstaaten verpflichtet, besondere Maßnahmen für ultraperiphere Regionen zu ergreifen. Sie fordern eine Erhöhung des Budgets von POSEI, um steigende Produktionskosten und reale Bedürfnisse des Sektors abzudecken. Neben der direkten Unterstützung der landwirtschaftlichen Produktion finanziert POSEI auch den sogenannten REA (Régimen Específico de Abastecimiento), der jährlich rund 62 Millionen Euro für die Versorgung mit Rohstoffen und verarbeiteten Produkten bereitstellt. Die maximale mögliche Unterstützung liegt derzeit bei 72,7 Millionen Euro.
Seit Einführung von POSEI und dem ergänzenden POSEI-Adicional, der pro Jahr etwa 30 Millionen Euro an staatlichen Beihilfen umfasst, profitieren die kanarischen Landwirte und die Agroindustrie von einer teilweisen Kompensation ihrer Mehrkosten gegenüber Wettbewerbern auf dem europäischen Festland. Ein Wegfall oder eine Verwässerung des Programms würde die wirtschaftliche Stabilität und die Lebensfähigkeit des Agrarsektors auf den Inseln gefährden.
Im Anschluss an eine kürzliche Zusammenkunft der Verbände beschlossen diese eine Reihe von Maßnahmen, um die Interessen der Kanaren auf nationaler und europäischer Ebene zu vertreten. Dazu zählt die dringende Forderung nach Gesprächen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez sowie dem kanarischen Minister für territoriale Politik, Ángel Víctor Torres. Ziel ist es, eine gemeinsame Position gegenüber den EU-Institutionen zu formulieren. Zudem planen die Organisationen Informations- und Mobilisierungsaktionen, um die Bedeutung von POSEI für die Wirtschaft, die Beschäftigung, die Nachhaltigkeit und die Ernährungssouveränität der Inseln öffentlich hervorzuheben.
Darüber hinaus soll eine koordinierte Strategie entwickelt werden, die den besonderen Status der Kanaren als ultraperiphere Region im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen der EU sichert. Die Vertreter rufen alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteure auf den Kanaren dazu auf, geschlossen für den Erhalt des Programms einzutreten. Sie sehen in POSEI ein unverzichtbares Instrument für die Zukunft des primären Sektors, der Lebensmittelindustrie und für eine ausgewogene Entwicklung des Archipels.
Quelle: eldiario.es
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