Die politische Polarisation in Spanien hat direkte Auswirkungen auf die sozialen Herausforderungen der Kanarischen Inseln. Octavio Caraballo, der Vizepräsident des Kabinetts des kanarischen Regierungschefs, äußerte diese Warnung während seiner Rede auf dem 13. Weltforum für urbane Entwicklung, das am Sonntag in Baku stattfand. In seiner Ansprache betonte er, dass die institutionelle Handlungsfähigkeit durch politische Spannungen erheblich beeinträchtigt wird, was besonders bei drängenden Themen wie dem Zugang zu Wohnraum deutlich wird.
Caraballo forderte eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen und die Schaffung territorialer Allianzen, um soziale Ungleichheiten zu bekämpfen. Der Zugang zu erschwinglichem Wohnraum wurde von ihm als einer der ausschlaggebenden Faktoren für soziale Ungleichheit und den Verlust von territorialer Kohäsion bezeichnet. „Die großen urbanen und territorialen Herausforderungen dürfen nicht isoliert betrachtet werden“, erklärte Caraballo. Diese Probleme sind vielmehr miteinander verknüpft und betreffen Regionen weltweit, was die Situation auf den Kanarischen Inseln besonders schwierig macht.
Der Vizepräsident wies darauf hin, dass der Wohnungsmarkt nicht nur aus einer wirtschaftlichen, urbanistischen oder demografischen Perspektive betrachtet werden sollte, sondern auch aus einer institutionellen Sicht. Der Zugang zu Wohnraum hängt stark von der Fähigkeit der verschiedenen Regierungsebenen ab, Kooperationsvereinbarungen aufrechtzuerhalten und koordiniert zu arbeiten. Diese Kooperationsarchitektur wird jedoch durch die politische Polarisierung erschwert, die nicht nur den öffentlichen Diskurs, sondern auch die Planung urbaner Entwicklung und die Umsetzung nachhaltiger Politiken gefährdet.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, betonte Caraballo die Notwendigkeit einer „echten multilateralen Governance“. Diese sollte lokale und regionale Verwaltungen, Universitäten, die Zivilgesellschaft und territoriale Akteure einbeziehen, um Lösungen zu entwickeln, die den realen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden. Die Kanarischen Inseln und Katalonien waren die einzigen spanischen Autonomen Gemeinschaften, die auf der Weltversammlung der lokalen und regionalen Regierungen vertreten waren.
Darüber hinaus stellte Caraballo während des Treffens das Projekt „Islas Responsables Lab (IRLab)“ vor. Dieses wurde ins Leben gerufen, um strategisches Denken, institutionelle Zusammenarbeit und sozialen Dialog im mittelfristigen und langfristigen Kontext zu fördern. Die Agenda in Baku wird in den kommenden Tagen mit weiteren Sitzungen zu den Themen Wohnen, Governance und Nachhaltigkeit fortgesetzt, einschließlich Treffen mit Vertretern von UN-Habitat und der Europäischen Kommission. Die Diskussionen in Baku könnten entscheidend sein, um neue Ansätze zur Bewältigung der sozialen Herausforderungen auf den Kanarischen Inseln zu entwickeln und die institutionelle Zusammenarbeit zu stärken.
Quelle: lavozdefuerteventura.com
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