Kanarische Inseln starten umfassende Strategie gegen demografische Herausforderungen – Behörden (Gobierno Canarias)

Kanarische Inseln starten umfassende Strategie gegen demografische Herausforderungen

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Von Thomas John - Redaktion Kanaren Nachrichten

14 Juni, 2026

Die Kanarischen Inseln stehen vor einer doppelten demografischen Herausforderung: Während einige Gemeinden mit Bevölkerungsverlust und Abwanderung kämpfen, wächst die Bevölkerung in anderen Regionen rasant – besonders durch den Einfluss des Tourismus. Diese Entwicklung belastet Infrastruktur, Wohnungsmarkt und Umwelt. Um diesen Problemen zu begegnen, hat die Regionalregierung die „Estrategia Canaria de Reto Demográfico y Cohesión Territorial“ (Strategie für demografische Herausforderungen und territoriale Kohäsion) entwickelt. Sie beinhaltet 43 Maßnahmen und über 400 Aktionen, die als Leitfaden für die kommenden Jahre dienen sollen.

Onán Cruz, Direktor für Raumordnung und territoriale Kohäsion der Kanarenregierung, erläuterte im Vorfeld des II. Kongresses für demografische Herausforderungen auf La Palma die zentralen Punkte der Strategie. Der Kongress findet am 18. und 19. Juni in Breña Alta statt und widmet sich dem Thema „Territorium und Verwurzelung: Von der Strategie zur Aktion“. Ziel ist es, praktikable Lösungsansätze für die Inseln zu diskutieren und den demografischen Wandel aktiv zu gestalten.

Ein zentrales Problem ist die „Bevölkerungsdruck“ genannte Situation in einigen Ballungsgebieten, vor allem in den südlichen Gemeinden der Hauptinseln. Dort verdrängt die touristische Nutzung zunehmend den Wohnraum. Fuerteventura zeigt zudem ein starkes Bevölkerungswachstum, dem die Infrastruktur nicht schnell genug folgt. Demgegenüber stehen kleinere Gemeinden, die Einwohner verlieren und mit Abwanderung zu kämpfen haben. Diese Gegensätze prägen die demografische Landschaft der Kanaren.

Als Antwort darauf verfolgt die Strategie das Konzept der „Kanarischen Inseln der 15 Minuten“. Dieses Modell basiert auf der europäischen Idee der „Stadt der 15 Minuten“, bei der alle wichtigen Dienstleistungen innerhalb von 15 Minuten fußläufig erreichbar sein sollen. Auf den Kanaren wurde das Konzept angepasst, da die Inseln eine weit verstreute Besiedlung aufweisen. In den größeren Städten soll die Erreichbarkeit von Gesundheitszentren, Schulen und Verwaltungsstellen innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit nachhaltigen Verkehrsmitteln gewährleistet werden. In ländlichen Bereichen gilt ein Radius von 15 Minuten mit dem Auto als Ziel, um lange Wege für Grundbedürfnisse zu vermeiden.

Derzeit lebt nur rund 58 Prozent der Bevölkerung in diesem idealen Einzugsbereich. Aktuell sind etwa 90 Prozent der Kanaren in maximal 30 Minuten bei wichtigen Dienstleistungen. Die Umsetzung des 15-Minuten-Konzepts erfordert umfangreiche Planung und Investitionen. Die Regierung hat für das Jahr 2026 rund 500 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt, die verschiedenen Ressorts für Maßnahmen zur demografischen Herausforderung bereitstellen. Diese Mittel sollen nicht nur den Bau von Schulen und Gesundheitszentren ermöglichen, sondern auch deren Ausstattung und Betrieb sicherstellen.

Neben der Infrastruktur spielen wirtschaftliche Perspektiven eine entscheidende Rolle. Um die Abwanderung aus kleinen Gemeinden zu stoppen, will die Regierung gezielt wirtschaftliche Aktivitäten fördern. Landwirtschaftliche Potenziale, technologische Innovationen und die Ansiedlung von Telearbeitern oder digitalen Nomaden stehen dabei im Fokus. Ein Beispiel ist die Gemeinde Agulo auf La Gomera, die als Weinregion besondere Chancen bietet. Dort sollen gezielt Investitionen in Infrastruktur und Services erfolgen, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Bevölkerung zu binden.

Die Wohnungsfrage bleibt ein weiterer zentraler Punkt. In kleinen Gemeinden behindern bürokratische Hürden und geringe Rentabilität die Neubautätigkeit. Seit 2025 wurde die Bodenordnung angepasst, um den Gemeinden mit demografischer Herausforderung mehr Flexibilität zu geben. So ist es möglich, innerörtliche Baulücken zu schließen und neue Bauparzellen zu schaffen, ohne die Landschaft unkontrolliert auszudehnen. Dies soll das Wohnungsangebot erhöhen, die Preise stabilisieren und die Bevölkerung vor Ort halten. Zudem wurden Verfahren zur Genehmigung von Bauvorhaben beschleunigt und eine virtuelle Unterstützungsstelle für Gemeinden mit demografischen Problemen eingerichtet.

Die Kanarische Regierung setzt mit dieser breit angelegten Strategie auf eine koordinierte Antwort auf das komplexe demografische Gefüge der Inseln. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie effektiv die Maßnahmen wirken und ob sich die Lebensqualität auf den Kanaren durch bessere Infrastruktur, wirtschaftliche Chancen und bezahlbaren Wohnraum nachhaltig verbessert.

Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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Hinweis: Diese Kurzmeldung wurde redaktionell aufbereitet und basiert auf öffentlich zugänglichen spanischen Quellen. Inhalte werden geprüft und verständlich zusammengefasst.

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