Ein aktueller Bericht der Fundación Canarina und des Observatoriums für Nachhaltigkeit zeigt alarmierende Entwicklungen an der Küste der Kanarischen Inseln. Demnach verliert der Archipel jährlich vier Kilometer natürliche Küstenlinie durch menschliche Aktivitäten, was einem Verlust von einem Kilometer alle drei Monate entspricht. Der Bericht, der als erster umfassender öffentlicher Zustandstest des Küstenbereichs gilt, stellt fest, dass bereits 18% des Küstenbodens in den ersten 500 Metern vom Meer künstlich umgestaltet wurden. In einigen Gebieten außerhalb geschützter Zonen liegt dieser Anteil sogar über 40%.
Die Studie identifiziert die Tourismusindustrie als Hauptursache für die Küstenschäden. Rund 96% der Touristen konzentrieren sich auf vier Inseln: Gran Canaria, Teneriffa, Fuerteventura und Lanzarote, wobei 88% der Besucher auf 16 Gemeinden verteilt sind. In Adeje und San Bartolomé de Tirajana, die zusammen vier Millionen Touristen jährlich empfangen, übersteigt die Anzahl der touristischen Unterkünfte bereits die der ansässigen Bevölkerung. Diese Entwicklung führt zu einer enormen Belastung der Küstenregionen und Konflikten in der Flächennutzung. Für die deutschsprachigen Leser auf den Kanaren, die oft in diesen beliebten Urlaubsorten leben oder arbeiten, ist dies nicht nur eine alarmierende Statistik, sondern auch ein unmittelbares Zeichen für die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Tourismuspolitik.
Die Auswirkungen der Zerstörung sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch spürbar. Der Verlust der natürlichen Küstenlinie gefährdet die Lebensqualität der Anwohner und führt zu einem Rückgang der Attraktivität für Touristen, die unberührte Strände und natürliche Schönheit suchen. Zudem könnte eine verstärkte Umweltverschmutzung durch unregulierte Einleitungsstellen die Gesundheit der Küstenökosysteme gefährden, was langfristig auch die Wirtschaft der Region negativ beeinflussen könnte. Für die ansässigen Deutschen, die oft in der Gastronomie oder im Dienstleistungssektor tätig sind, könnte dies bedeuten, dass ihre Einkommensquellen durch eine sinkende Touristenzahl bedroht sind.
Zusätzlich warnt der Bericht vor der Gefährdung von etwa 80.000 Menschen, die in Küstengemeinden leben und potenziell von Überschwemmungen betroffen sind. In 54 Küstengemeinden sind die Risiken durch steigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse besonders hoch. Diese Warnung ist für die deutschsprachige Gemeinschaft auf den Kanaren von zentraler Bedeutung, da viele von ihnen in Küstennähe wohnen. Es ist nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch der persönlichen Sicherheit, die auf dem Spiel steht. Die steigenden Meeresspiegel und die Zunahme von extremen Wetterereignissen könnten ihre Wohnsituation erheblich beeinträchtigen.
Zudem sind 291 von 403 bekannten Einleitungsstellen ins Meer nicht genehmigt, was die Umweltbelastung weiter verschärft. In El Hierro operieren alle Einleitungsstellen illegal, während in La Palma 88% der Punkte ohne Genehmigung arbeiten. Diese Missstände stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Umwelt und die Sicherheit der Bevölkerung dar. Für die deutschsprachige Gemeinschaft bedeutet dies, dass die Verantwortung für den Schutz der Küsten nicht nur bei den Behörden liegt, sondern auch bei jedem Einzelnen. Es ist an der Zeit, sich für eine nachhaltige Entwicklung stark zu machen und aktiv an Lösungen mitzuwirken, um die Schönheit und Sicherheit der Kanarischen Inseln zu bewahren.