Die Hafenbehörde von Las Palmas steht aktuell massiv in der Kritik. Inmitten einer laufenden staatlichen Prüfung und schwerwiegender Vorwürfe lud die Behörde am vergangenen Freitag zu einer Medienveranstaltung auf dem Sanapú-Pier ein – eine Art „Medienmesse“, bei der eine Reihe von Medienvertretern mit öffentlichen Geldern bezahlt wurden, um den Alltag im Hafen positiv darzustellen. Dieses Vorgehen offenbart ein offenes Bekenntnis zum sogenannten Paid Journalism, also bezahltem Journalismus, was in der öffentlichen Verwaltung äußerst umstritten ist.
Rund ein Dutzend Medien, darunter große Radiosender, die regionale öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt sowie nationale Medien wie Radio Nacional de España, nahmen an der Veranstaltung teil. Auch private Radiosender wie Cadena SER, Onda Cero, das Programm von Paco Chavanel und Radio Las Palmas waren vertreten. Die Honorare für die Berichterstattung lagen zwischen 1.000 und 5.000 Euro, finanziert aus öffentlichen Haushaltsmitteln. Für viele Medien ein lukratives Angebot in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Die Veranstaltung sollte den „täglichen Betrieb im Herzen des Hafens“ näherbringen. Als Redner traten unter anderem Pablo Rodríguez auf, der kanarische Minister für öffentliche Arbeiten und Generalsekretär der Coalición Canaria auf Gran Canaria. Seine Verbindung zum Hafen beschränkt sich auf seine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Hafenbehörde, dem auch der Präsident des Cabildo von Gran Canaria und die Bürgermeisterin von Las Palmas angehören. Diese beiden wurden allerdings nicht eingeladen, da sie nicht der Coalición Canaria angehören. Kritische Medien wie Canarias Ahora blieben ebenfalls außen vor, obwohl sie ihre Berichterstattung über den Hafen vor Ort angeboten hatten. Anfragen zu Auswahlkriterien und finanziellen Details der Medienbeteiligung wurden von der Hafenbehörde nicht beantwortet.
Die Praxis des bezahlten Journalismus ist bei vielen Medien als „branded content“ oder gesponserte Inhalte bekannt. Allerdings überschreiten öffentliche Einrichtungen meist klare Grenzen, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Die Hafenbehörde von Las Palmas unter der Leitung von Beatriz Calzada, die zugleich Organisationssekretärin der Coalición Canaria auf Gran Canaria ist, scheint diese Grenzen nicht zu beachten. Die zuständige Geschäftsführerin der Stiftung Puertos de Las Palmas, Betsabé Morales, die zugleich im Bereich Werbung tätig ist, verteidigte das Vorgehen, obwohl eine kürzlich veröffentlichte Prüfung durch Puertos del Estado erhebliche Unregelmäßigkeiten in der Stiftungsführung aufdeckte.
Die Stiftung, die offiziell nur private Einnahmen erhalten soll, weist jährlich Verluste auf – 128.115,91 Euro im Jahr 2025 und 138.660,30 Euro im Jahr 2024. Zudem erhält sie über 300.000 Euro Mieteinnahmen für ein Gebäude, das von der Hafenbehörde bereitgestellt wird. Diese finanziellen Defizite werden letztlich vom Steuerzahler getragen.
Beatriz Calzada erklärte bei der Veranstaltung, dass der Hafen „nicht länger von der Gesellschaft abgekoppelt leben“ wolle. Die Bevölkerung solle die Bedeutung des Hafens besser verstehen und erfahren, was dort täglich passiert. Kritiker werfen ihr allerdings vor, dass diese Kommunikation nur über bezahlte Medieninhalte funktioniere und somit die Unabhängigkeit der Berichterstattung gefährdet sei.
Ob die „Medienmesse“ im Hafen in zukünftigen Jahren wiederholt wird, ist ungewiss. Das Jahr 2027 ist ein Wahljahr, und die laufenden Ermittlungen zu den Unregelmäßigkeiten in der Stiftung Puertos de Las Palmas könnten die weitere Vorgehensweise beeinflussen. Der Skandal um den bezahlten Journalismus und die finanzielle Lage der Stiftung wirft ein Schlaglicht auf die Verbindungen zwischen politischer Kontrolle, öffentlicher Verwaltung und Medien auf den Kanarischen Inseln – ein Thema, das sowohl Einwohner, Urlauber als auch Auswanderer auf den Inseln interessieren dürfte.
Quelle: eldiario.es
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