Mietpreissteigerungen auf den Kanaren: Bauträger profitieren, Mieter bleiben belastet – Wohnen (Mietpreise Steigen)

Mietpreissteigerungen auf den Kanaren: Bauträger profitieren, Mieter bleiben belastet

User avatar placeholder
Von Thomas John - Redaktion Kanaren Nachrichten

3 Juli, 2026

Die Mietpreise auf den Kanarischen Inseln steigen trotz bestehender gesetzlicher Möglichkeiten weiter an. Maribel Santana, Wohnungsbaubeauftragte des PSOE auf den Kanaren, kritisiert die aktuelle Wohnungspolitik der kanarischen Regierung, die von Coalición Canaria (CC) und Partido Popular (PP) geführt wird. Sie wirft der Koalition vor, mit ihrer Politik vor allem Bauträger zu begünstigen, während die dringend benötigte Entlastung für Mieter ausbleibt.

Im Zentrum der Kritik steht ein Dekret der kanarischen Regierung, das Bauträgern erlaubt, nur 20 Prozent der neu errichteten Wohnungen als sozial geförderten Wohnraum auszuweisen. Der überwiegende Teil der Neubauten wird als freier Wohnraum zu marktüblichen Preisen angeboten. Dies führt dazu, dass vor allem einkommensschwache und mittelständische Haushalte, darunter viele junge Familien und Arbeitnehmer, kaum bezahlbaren Wohnraum finden.

Santana verweist zudem auf die Möglichkeit, Mietpreise durch die Erklärung sogenannter „angespannter Zonen“ zu regulieren. Dieses Instrument ist auf nationaler Ebene vorgesehen und wird in anderen Regionen Spaniens erfolgreich eingesetzt, um Mietpreissteigerungen zu begrenzen. Auf den Kanaren bleibt diese Maßnahme jedoch aus ideologischen Gründen ungenutzt, was die Mietpreisspirale weiter anheizt.

Ein weiterer Faktor ist die Erhöhung des Módulo Básico Canario (MBC) um 135 Prozent. Der MBC dient als Referenzwert für Miet- und Verkaufspreise und beeinflusst die Kosten für Wohnraum direkt. Die Anhebung trägt somit maßgeblich zur Verteuerung der Mieten bei.

Die strukturellen Herausforderungen werden durch den Vergleich mit anderen Ländern deutlich: Während in Österreich etwa 30 Prozent des Wohnungsbestands öffentlich gefördert sind, liegt der Anteil auf den Kanaren bei lediglich 0,99 Prozent. Spanien insgesamt weist einen Anteil von rund drei Prozent auf. Diese Zahlen verdeutlichen den akuten Mangel an sozial gefördertem Wohnraum auf den Kanaren, die zudem zu den einkommensschwächsten Regionen Spaniens zählen.

Hinzu kommt eine hohe Konzentration von Wohnraum in den Händen weniger Eigentümer. Rund 30 Prozent der Bevölkerung besitzen zwischen fünf und zehn Wohnungen, was Spekulationen fördert und das Angebot an bezahlbarem Wohnraum weiter verknappt. Gemeinnützige Organisationen werden als Akteure im Wohnungsbau kaum berücksichtigt, obwohl sie in anderen Ländern eine wichtige Rolle spielen.

Für die Bewohner der Kanaren bedeutet diese Situation eine steigende Belastung durch Mietpreissteigerungen, die besonders in Ballungsräumen und touristisch attraktiven Gebieten spürbar ist. Die politische Blockade durch CC und PP verhindert bislang die Umsetzung wirksamer Maßnahmen, die sowohl Mietpreisbegrenzungen als auch den Ausbau öffentlich geförderten Wohnraums umfassen könnten.

Die Debatte um bezahlbaren Wohnraum auf den Kanaren gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Als nächster Schritt steht die mögliche Anwendung der „angespannten Zonen“ sowie eine verstärkte Förderung des sozialen Wohnungsbaus im Fokus. Ob und wann die kanarische Regierung diese Instrumente aktiv nutzen wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: gomeratoday.com
Zum Original

Hinweis: Diese Kurzmeldung wurde redaktionell aufbereitet und basiert auf öffentlich zugänglichen spanischen Quellen. Inhalte werden geprüft und verständlich zusammengefasst.

Deutschsprachige Kleinanzeigen für alle Kanaren-Inseln: Immobilien, Jobs, Fahrzeuge, Dienstleistungen und mehr – jetzt Angebote entdecken oder kostenlos inserieren.

→ Anzeigen entdecken