Teneriffa steht vor einer ernsten Krise bei der Aussetzung von Haustieren. Eine aktuelle Studie zeigt, dass täglich mehr als neun Hunde und fast zwei Katzen auf der Insel ausgesetzt werden. Hochgerechnet bedeutet das, dass im Jahr 2024 über 2.800 Hunde und mehr als 700 Katzen allein auf Teneriffa zurückgelassen wurden. Diese Zahlen liegen deutlich über den bisherigen Angaben von Kommunen und Tierheimen und verdeutlichen das Ausmaß des Problems.
Die Untersuchung wurde vom Cabildo in Auftrag gegeben, um die Grundlage für ein neues Netzwerk von Tierschutzzentren auf der Insel zu schaffen. Ein wichtiges Projekt ist das geplante Tierheim Tierra Azul, das zwischen La Laguna und Tacoronte errichtet werden soll. Es soll die derzeit überfüllten Einrichtungen entlasten und bessere Bedingungen für die zahlreichen ausgesetzten Tiere bieten.
Die Studie zeigt, dass der Großteil der Aussetzungen im Norden der Insel stattfindet: Von den 2.813 ausgesetzten Hunden stammen 1.563 Tiere (55,6 Prozent) aus dieser Region. Bei den Katzen ist die Situation noch dramatischer, mit 450 von 704 Fällen (66,95 Prozent) im Norden. Die Metropolregion Teneriffa trägt mit über 40 Prozent der ausgesetzten Hunde und fast der Hälfte der ausgesetzten Katzen einen erheblichen Anteil an der Problematik.
Derzeit sind auf der Insel etwa 237.298 Hunde und 72.268 Katzen registriert, was im Vergleich zur Kinderbevölkerung von rund 145.000 Kindern auf Teneriffa eine doppelt so hohe Anzahl an Haustieren bedeutet. Trotz dieser hohen Zahl fehlt es an geeigneter Infrastruktur, um die ausgesetzten Tiere aufzunehmen. Die Kapazitäten der Tierheime in der Metropolregion sind massiv überschritten: Für Hunde liegt die Auslastung bei 291 Prozent, für Katzen bei 125 Prozent.
Diese Überfüllung führt zu erheblichen Problemen bei der Versorgung und Vermittlung der Tiere. Die Studie weist auf ein Defizit von 714 Plätzen für Hunde und 171 Plätzen für Katzen allein in der Metropolregion hin. Das geplante Tierheim Tierra Azul soll auf einer Fläche von 27.377 Quadratmetern Platz für 600 Hunde und 400 Katzen bieten und verschiedene Bedürfnisse der Tiere berücksichtigen.
Valentín González, der zuständige Inselrat für Tierschutz, unterstreicht die Dringlichkeit eines solchen Zentrums, da die kommunalen Einrichtungen mit der aktuellen Situation überfordert sind. Das Cabildo will durch den Bau und Betrieb von Tierra Azul die Versorgungssituation verbessern und den zunehmenden Aussetzungen entgegenwirken.
Trotz dieser Maßnahmen mahnen Tierschutzorganisationen, dass allein neue Tierheime nicht ausreichen. Yahaira Thovar, Präsidentin der Kanarischen Tierschutzvereinigung Adepac, weist darauf hin, dass viele Fälle von Aussetzungen noch nicht erfasst sind. Sie betont die Bedeutung von Kastrationskampagnen, insbesondere bei Katzen, um die Zahl der herrenlosen Tiere langfristig zu reduzieren.
Thovar beschreibt zudem die alltägliche Herausforderung, dass Tiere oft direkt vor den Tierheimen ausgesetzt werden. Ohne umfassende Aufklärung über verantwortungsvolle Tierhaltung und Maßnahmen zur Populationskontrolle werde sich die Lage nicht nachhaltig verbessern lassen.
Mit der aktuellen Studie wird deutlich, dass Teneriffa nicht nur vor der Aufgabe steht, ausgesetzte Tiere zu versorgen, sondern auch präventiv gegen weitere Aussetzungen vorgehen muss. Die Tatsache, dass alle drei Stunden ein Hund ausgesetzt wird, verdeutlicht die Dringlichkeit für schnelle und effektive Lösungen auf der Insel.
Quelle: tenerifeweekly.com
Zum Original

