Die Universität La Laguna (ULL) auf Teneriffa hat wesentliche Erkenntnisse über die Ursachen von Studienabbrüchen an spanischen Hochschulen gewonnen. Eine aktuelle Untersuchung, die im Rahmen eines nationalen Forschungsprojekts durchgeführt wurde, zeigt, dass Studienabbrüche keineswegs auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind. Vielmehr verändern sich die Gründe im Verlauf des Studiums, und sie hängen eng mit persönlichen, akademischen, sozialen und institutionellen Faktoren zusammen.
Das Projekt, das von 2021 bis 2024 vom spanischen Bildungsministerium gefördert wurde, brachte Wissenschaftler von fünf Universitäten aus verschiedenen Regionen Spaniens zusammen. Die ULL-Forscher um den Dozenten Juan José Sosa Afonso konzentrierten sich in ihrer Analyse auf zwei Hauptdimensionen: das akademische Engagement der Studierenden und deren Zufriedenheit mit der Universität. Über 2.500 Studierende wurden in die Studie einbezogen, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Higher Education Research and Development veröffentlicht sind.
Demnach starten Studierende ihr Studium mit einem „Rucksack“ voller Erwartungen, Interessen, Vorerfahrungen und individueller Lebensumstände. Gerade in den ersten Studienjahren sind vor allem die Motivation, die Wahl des Studiengangs und die Übereinstimmung zwischen Wunsch und tatsächlicher Immatrikulation entscheidend für den Verbleib an der Hochschule. Im weiteren Verlauf gewinnen Faktoren wie das soziale Umfeld, die Beziehungen zu Dozenten und Kommilitonen sowie die allgemeine Zufriedenheit mit dem Studium an Bedeutung.
Die Forscher betonen, dass der Studienabbruch kein spontaner Entschluss ist, sondern sich über die Zeit entwickelt. Daraus folgt, dass präventive Maßnahmen auf die jeweilige Phase des Studiums abgestimmt werden müssen. So benötigen Erstsemester andere Unterstützungsangebote als Studierende im mittleren oder späten Studienabschnitt. Die Universität La Laguna selbst hat bereits verschiedene Programme zur Förderung der Studienmotivation und -bindung eingeführt, um die Abbruchraten zu senken.
Ein weiterer wichtiger Befund betrifft soziale Einflussfaktoren. Wirtschaftliche Unsicherheit, familiäre Verpflichtungen, geschlechtsspezifische Herausforderungen und fehlende Unterstützung erhöhen das Risiko eines Abbruchs erheblich. Frühere Untersuchungen weisen darauf hin, dass bis zu 30 Prozent der Abbruchgründe auf soziale Ursachen zurückzuführen sind. Besonders betroffen sind Studiengänge der Ingenieur- und Architekturwissenschaften, gefolgt von Sozial- und Rechtswissenschaften. Dagegen verzeichnen Gesundheitswissenschaften vergleichsweise geringere Abbruchquoten, was auf klarere berufliche Perspektiven und eine gezieltere Studienwahl zurückgeführt wird.
Die Wissenschaftler der ULL empfehlen daher, die Orientierung und Beratung vor Studienbeginn zu verbessern und den Übergang von der Schule zur Hochschule intensiver zu begleiten. Personalisierte Tutorien, Mentoring-Programme und soziale Unterstützungsangebote sollen helfen, die Studierenden langfristig zu binden und die Abbruchzahlen zu reduzieren. Für deutschsprachige Bewohner und Urlauber auf den Kanaren bedeutet dies, dass die Universität La Laguna aktiv an Lösungen arbeitet, die auch die Attraktivität und Qualität des Studienstandorts Teneriffa stärken.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass Studienabbrüche ein komplexes Phänomen mit vielfältigen Ursachen sind, das nur mit differenzierten Strategien bekämpft werden kann. Die Ergebnisse der ULL-Forscher liefern wertvolle Hinweise für Hochschulen auf den Kanaren und darüber hinaus, um die akademische Laufbahn von Studierenden besser zu begleiten und zu sichern.
Quelle: tenerifeweekly.com
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