Die politische Landschaft auf den Kanarischen Inseln steht vor möglichen Veränderungen durch den erwarteten Stimmenzuwachs der Partei Vox bei den Wahlen im Mai 2027. Obwohl die derzeitige Regierungsmehrheit aus Coalición Canaria (CC), Partido Popular (PP) und kleineren regionalen Parteien voraussichtlich erhalten bleibt, könnte Vox seine Sitze von derzeit vier auf sechs oder sieben steigern. Diese Entwicklung würde die Mehrheitsverhältnisse im kanarischen Parlament nicht zwingend zerstören, doch bei den Inselräten von Teneriffa und Gran Canaria könnte die Partei eine Schlüsselrolle einnehmen. Dort, so zeigen Umfragen, hat Vox Chancen, durch Stimmenverluste bei PP und CC sowie durch die Fragmentierung der rechten Wählerschaft bedeutenden Einfluss auf die Regierungsbildung zu gewinnen.
Besonders auf Teneriffa und Gran Canaria bereitet sich Vox darauf vor, politische Ämter und Zuständigkeiten zu fordern, falls ihre Mandatsträger zur Stabilisierung der Mehrheiten benötigt werden. In diesem Fall könnten die Inselräte zu Plattformen für politikstrategische und konfliktfördernde Aktivitäten der Partei werden. Demnach plant Vox, nicht nur Regierungsverantwortung zu übernehmen, sondern auch durch eine konfrontative Politik das politische Klima zu polarisieren. Diese Doppelstrategie beinhaltet einerseits das Verwalten von Zuständigkeiten und Haushalten, andererseits das gezielte Fördern von institutionellen Konflikten gegenüber anderen politischen Akteuren.
Die Partei bereitet sich zudem darauf vor, Kandidaten außerhalb der Kanarischen Inseln zu rekrutieren, um ihre Position bei den kommenden Wahlen zu stärken. Diese Vorgehensweise entspricht Erfahrungen aus anderen spanischen Regionen, wo Vox ebenfalls mit Personal aus der spanischen Halbinsel arbeitet.
Die etablierten kanarischen Nationalisten und konservativen Kräfte scheinen die Gefahr, die von Vox als ultrarechter Kraft ausgeht, bislang zu unterschätzen. Während sie sich vor allem auf den sozialdemokratischen Gegner konzentrieren, könnte Vox langfristig deutlich an politischem Einfluss gewinnen und die Machtverhältnisse über mehrere Legislaturperioden hinweg verändern. Vor allem die Fragmentierung der rechten Wählerschaft eröffnet Vox Chancen, als Königsmacher aufzutreten, was die politische Stabilität und die Regierungsarbeit auf den Inseln erschweren könnte.
Der Zeitraum bis zu den Wahlen in etwa zehn Monaten bleibt jedoch offen für unvorhersehbare Ereignisse, die den derzeitigen Prognosen eine neue Richtung geben könnten. Klar ist aber, dass die politische Konstellation auf den Kanarischen Inseln im Mai 2027 durch den Aufstieg von Vox komplexer wird und die etablierten Parteien vor Herausforderungen stellt, wenn es um Koalitionen und Mehrheitsbildungen geht. Die kommenden Monate werden zeigen, wie stark die ultrarechte Partei tatsächlich ihre geplanten Ziele realisieren kann und welchen Einfluss sie auf die künftige Regierungsarbeit in den Inselräten von Teneriffa und Gran Canaria nehmen wird.
Quelle: laprovincia.es
Zum Original