EU-Agrarförderung für die Kanaren: Zukunft des POSEI-Programms ab 2028 ungewiss
Die geplante Neuordnung des EU-Haushalts für die Jahre 2028 bis 2034 sorgt auf den Kanarischen Inseln für Besorgnis. Im Mittelpunkt steht das Förderprogramm POSEI, das die besonderen wirtschaftlichen Nachteile der Landwirtschaft in den äußersten Randregionen der Europäischen Union ausgleichen soll. Landwirtschaftsverbände befürchten, dass die bisher eigenständige Förderung künftig stärker von nationalen Haushaltsentscheidungen abhängig werden könnte.
Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Spanien, Frankreich und Portugal setzen sich für die besonderen Interessen ihrer äußersten Randregionen ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffen: Landwirtschaft und Viehzucht auf allen acht Kanarischen Inseln.
- Förderprogramm: POSEI unterstützt die landwirtschaftliche Erzeugung und die Versorgung der Kanaren.
- Zeitraum: Die geplanten Änderungen betreffen den EU-Haushalt 2028 bis 2034.
- EU-Vorschlag: Fördermittel sollen stärker über nationale und regionale Partnerschaftspläne verwaltet werden.
- Kritik: Landwirtschaftsverbände warnen vor einem Verlust der Eigenständigkeit und Finanzierungssicherheit.
- Aktueller Stand: Es gibt noch keine endgültige Entscheidung über die künftige Ausgestaltung.
- Für Verbraucher: Kurzfristig ändern sich durch die Verhandlungen weder Lebensmittelpreise noch bestehende Förderansprüche unmittelbar.
Was ist das POSEI-Programm?
POSEI steht für Programme of Options Specifically Relating to Remoteness and Insularity. Es handelt sich um ein besonderes europäisches Förderinstrument für Regionen, die aufgrund ihrer geografischen Lage dauerhaft wirtschaftliche Nachteile haben.
Dazu gehören die Kanarischen Inseln, die portugiesischen Regionen Madeira und Azoren sowie mehrere französische Überseegebiete.
Auf den Kanaren soll das Programm unter anderem die höheren Produktions- und Transportkosten ausgleichen, die durch die große Entfernung zum europäischen Festland und die Insellage entstehen.
Das Programm umfasst zwei wesentliche Bereiche: die Unterstützung der lokalen landwirtschaftlichen Produktion und besondere Versorgungsregelungen für bestimmte Agrarprodukte.
Welche Betriebe profitieren auf den Kanaren?
POSEI spielt für verschiedene Bereiche der kanarischen Landwirtschaft eine Rolle.
Dazu gehören insbesondere:
- Bananenanbau und andere landwirtschaftliche Kulturen
- Gemüse-, Obst- und Kartoffelproduktion
- Viehhaltung und Milcherzeugung
- Weitere förderfähige lokale Agrarprodukte
- Bestimmte Maßnahmen zur Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen
Welche Betriebe eine Förderung erhalten und wie hoch diese ausfällt, hängt von den jeweiligen Fördermaßnahmen und ihren Voraussetzungen ab.
Die Unterstützung betrifft damit nicht nur große landwirtschaftliche Unternehmen, sondern auch kleinere Betriebe, die unter den besonderen Produktionsbedingungen der Inseln arbeiten.
Wie viel Geld steht zur Verfügung?
Das derzeitige POSEI-System stellt den äußersten Randregionen der EU zweckgebundene Mittel für die Landwirtschaft bereit.
Für die Kanarischen Inseln liegt die jährliche EU-Mittelzuweisung im bestehenden Programm bei rund 268 Millionen Euro.
Diese Summe ist nicht mit den gesamten öffentlichen Agrarbeihilfen auf den Kanaren gleichzusetzen. Je nach Maßnahme können weitere staatliche oder regionale Finanzierungsanteile hinzukommen.
Entscheidend für die laufenden Verhandlungen ist deshalb nicht nur die künftige Gesamtsumme, sondern auch, ob die Mittel weiterhin ausdrücklich für die besonderen Bedürfnisse der äußersten Randregionen reserviert werden.
Eine verbindliche neue POSEI-Mittelzuweisung für die Kanaren ab 2028 steht bislang nicht fest.
Was möchte die EU-Kommission verändern?
Die Europäische Kommission hat für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen eine grundlegende Neuordnung verschiedener Förderinstrumente vorgeschlagen.
Künftig sollen wichtige Bereiche der europäischen Agrar- und Regionalförderung stärker über nationale und regionale Partnerschaftspläne koordiniert werden.
Die Kommission verspricht sich davon eine vereinfachte Verwaltung, mehr Flexibilität und eine bessere Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Förderprogrammen.
Die besonderen Herausforderungen der äußersten Randregionen sollen nach ihrem Vorschlag weiterhin berücksichtigt werden.
Kritiker befürchten allerdings, dass die bisherige Eigenständigkeit des POSEI-Programms geschwächt werden könnte, wenn Förderentscheidungen stärker in übergeordnete nationale Pläne eingebunden werden.
Warum sind die kanarischen Landwirte besorgt?
Landwirtschaftliche Betriebe auf den Kanaren haben mit besonderen Kosten zu kämpfen.
Viele Betriebsmittel müssen über große Entfernungen transportiert werden. Gleichzeitig sind die verfügbaren Anbauflächen begrenzt und die Produktionsbedingungen unterscheiden sich deutlich von denen auf dem europäischen Festland.
Landwirtschaftsverbände argumentieren deshalb, dass eine allgemeine Agrarförderung die besonderen Nachteile der Inseln nicht ausreichend berücksichtigen könnte.
Die Bananenproduzentenvereinigung ASPROCAN forderte im Oktober ausdrücklich, das POSEI-Programm als eigenständiges europäisches Instrument zu erhalten und seine Finanzierung für den Zeitraum 2028 bis 2034 zu erhöhen.
Die Organisation begründet dies unter anderem mit gestiegenen Produktionskosten.
Dabei handelt es sich um die Position des Branchenverbandes, nicht um eine bereits beschlossene Änderung der europäischen Förderung.
Welche Rolle spielt Spanien?
Spanien vertritt als EU-Mitgliedstaat die Interessen der Kanarischen Inseln in den Verhandlungen über den neuen europäischen Haushalt.
Gemeinsam mit Frankreich und Portugal kann sich Spanien für besondere Finanzierungsregelungen zugunsten der äußersten Randregionen einsetzen.
Die drei Länder haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die geografischen Nachteile ihrer betroffenen Regionen weiterhin im europäischen Förderrecht berücksichtigt werden.
Wie die endgültigen Finanzierungsregeln aussehen werden, hängt jedoch von den Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament ab.
Spanien kann die künftige Ausgestaltung deshalb nicht allein bestimmen.
Was bedeutet das für Lebensmittelpreise auf den Kanaren?
POSEI soll dazu beitragen, die besonderen Kosten der landwirtschaftlichen Produktion und Versorgung auf den Inseln abzufedern.
Sollte die Unterstützung langfristig geringer ausfallen, könnte dies einzelne Betriebe wirtschaftlich belasten.
Ob sich daraus höhere Verbraucherpreise ergeben würden, lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen.
Lebensmittelpreise hängen von zahlreichen weiteren Faktoren ab, darunter Energie, Transport, Erntemengen, Wettbewerb und Handelsspannen.
Für Verbraucher auf Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera, El Hierro und La Graciosa ergeben sich aus den laufenden EU-Verhandlungen zunächst keine unmittelbaren Änderungen beim Einkauf.
Wann wird über die Zukunft entschieden?
Der derzeitige mehrjährige EU-Finanzrahmen läuft bis Ende 2027.
Die neue Haushaltsperiode soll am 1. Januar 2028 beginnen.
Im Oktober 2026 wird weiterhin über Umfang und Struktur des kommenden EU-Haushalts verhandelt.
Die irische EU-Ratspräsidentschaft hat einen überarbeiteten Vorschlag mit einem Gesamtvolumen von rund 1,62 Billionen Euro vorgelegt. Dieser liegt unter dem ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission.
Über die endgültige Ausgestaltung der Agrar- und Regionalförderung besteht weiterhin keine Einigung.
Erst wenn der neue Rechtsrahmen beschlossen und die entsprechenden Programme konkret ausgestaltet sind, lässt sich beurteilen, welche Änderungen für die kanarischen Landwirte tatsächlich entstehen.
Unsere Einordnung: Entscheidend ist die langfristige Finanzierungssicherheit
Für die Landwirtschaft auf den Kanarischen Inseln ist POSEI mehr als eine allgemeine EU-Subvention.
Das Programm berücksichtigt wirtschaftliche Nachteile, die sich durch die geografische Lage der Inseln nicht vollständig vermeiden lassen.
Die zentrale Frage der Verhandlungen lautet deshalb, ob diese besondere Unterstützung auch nach 2027 ausreichend abgesichert bleibt.
Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden: die Höhe der künftig verfügbaren Mittel und die Frage, wer über deren Verwendung entscheidet.
Eine stärkere Einbindung in nationale Förderpläne muss nicht automatisch eine Kürzung bedeuten. Sie könnte jedoch verändern, wie die Mittel verwaltet und verteilt werden.
Für landwirtschaftliche Betriebe auf den Kanaren ist daher vor allem wichtig, dass die Förderung langfristig planbar bleibt und ihre besonderen Produktionsbedingungen weiterhin berücksichtigt werden.
Quellen: Europäische Kommission, Vorschlag zum EU-Finanzrahmen 2028–2034; Mitteilung zur Strategie für die äußersten Randregionen vom September 2026; ASPROCAN, Oktober 2026; Berichterstattung zu den laufenden EU-Haushaltsverhandlungen.
EU-Kommission: Haushaltsvorschlag 2028–2034
EU-Kommission: Strategie für die äußersten Randregionen
Quelle: diariodeavisos.elespanol.com
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