Die kanarische Wohnungsbaugesellschaft Visocan hat entschieden, den Verkauf von Sozialwohnungen an Mieter zu verhindern, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Befürchtung, dass die Einhaltung der Vorschriften die finanzielle Stabilität des Unternehmens gefährden könnte. Dies betrifft insbesondere eine Wohnung, die bereits vor fast drei Jahren einer Mieterin angeboten wurde und die nun im Zentrum eines Rechtsstreits steht.
Die Mieterin, Araceli Refoyo, die auch Präsidentin der Interessenvertretung „Viviendas Sociales en Lucha“ ist, hat Klage eingereicht, um den Zugang zur Wohnung zu erzwingen, für die sie bereits 50 % des ursprünglichen Kaufpreises von 37.000 Euro bezahlt hat. Visocan argumentiert jedoch, dass der Verkauf zu dem festgelegten Preis von vor über dreißig Jahren für das Unternehmen untragbar wäre. Sie warnen, dass dies zu einer finanziellen Krise führen könnte, die die Existenz des Unternehmens gefährden würde.
Im Jahr 2024 erzielte Visocan einen Umsatz von 28,5 Millionen Euro, wobei die Mehrheit der Einnahmen aus den Mieten von 6.000 verwalteten Sozialwohnungen stammte. Trotz eines positiven Ergebnisses von 3,3 Millionen Euro aus der Vermietung meldete das Unternehmen jedoch einen Gesamtverlust von 215.000 Euro, nachdem finanzielle und steuerliche Belastungen berücksichtigt wurden. Im Vorjahr waren die Gewinne noch bei 5,1 Millionen Euro. Diese finanzielle Situation unterstreicht die Schwierigkeiten, vor denen Visocan steht, und erklärt die Zurückhaltung beim Verkauf von Wohnungen.
Zusätzlich führt Visocan in ihrem Rechtsstreit ein Gutachten des Instituto Canario de la Vivienda (ICAVI) an, das den aktuellen Marktwert der betreffenden Wohnung auf 133.700 Euro schätzt. Dies zeigt eine erhebliche Diskrepanz zum ursprünglichen Preis und könnte laut Visocan von der Steuerbehörde als verdeckte Schenkung angesehen werden. Dies hätte zur Folge, dass das Unternehmen die Differenz von 100.000 Euro bei der Körperschaftssteuer versteuern müsste, was zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung führen würde.
Das Gesetz, das den Zugang zu Sozialwohnungen regelt, wurde 2023 eingeführt, um den Mietern den Erwerb ihrer Wohnungen zu erleichtern. Es betrifft rund 10.500 Wohnungen, die vor 1996 in den Kanaren gebaut wurden. Die Situation ist besonders brisant, da den Mietern ursprünglich versprochen wurde, dass sie die Möglichkeit haben würden, ihre Wohnungen zu kaufen. Visocan beruft sich auf Paragrafen des neuen Gesetzes, die besagen, dass der Verkauf nicht zu einem finanziellen Nachteil für das Unternehmen führen darf. Die bevorstehende Anhörung im Fall Refoyo ist für den 25. Mai angesetzt und könnte weitreichende Folgen für die Praxis des Wohnungsverkaufs in den Kanaren haben.
Quelle: eldiario.es
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