Der Consejo de Patrimonio Cultural de Canarias hat am 11. Juni mit großer Mehrheit entschieden, die Skulptur von Juan de Ávalos in Santa Cruz de Tenerife nicht als Bien de Interés Cultural (BIC) mit der Kategorie Monument anzuerkennen. Die Statue befindet sich an der Kreuzung der Rambla de Santa Cruz und der Avenida de Anaga. Nur ein Mitglied enthielt sich der Stimme, während 16 Mitglieder gegen die Schutzwürdigkeit der Skulptur votierten. Kein einziger Rat sprach sich für die BIC-Erklärung aus.
Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit einem Verfahren, das der Cabildo de Tenerife im Oktober 2024 eingeleitet hatte. Anlass war ein Urteil des Verwaltungsgerichts Nr. 3 von Santa Cruz de Tenerife vom 28. Juni 2024, das die Behörde verpflichtete, den Schutzstatus der Skulptur zu prüfen. Die Skulptur stellt eine kontroverse Darstellung des spanischen Diktators Francisco Franco dar und war in der Vergangenheit mehrfach Gegenstand öffentlicher Debatten.
Vor der Sitzung des Plenums hatte die technische Arbeitsgruppe für architektonisches Kulturerbe des Rates am 28. April 2026 das Schutzgesuch geprüft. Nach eingehender Analyse aller eingereichten Unterlagen und der vom Cabildo bereitgestellten Informationen empfahl die Arbeitsgruppe, die Skulptur nicht als Kulturgut von besonderem Interesse einzustufen. Diese Empfehlung bildete die Grundlage für die abschließende Entscheidung des gesamten Rates.
Der Consejo de Patrimonio Cultural de Canarias fungiert als zentrales Gremium für die Koordination, Beratung und Mitwirkung im Bereich des kulturellen Erbes der Kanarischen Inseln. In ihm sind neben der Regionalregierung auch die sieben Inselräte (Cabildos), die Föderation der kanarischen Gemeinden, die Königliche Akademie der Schönen Künste von San Miguel Arcángel, Fachverbände der Architekten, Universitäten, renommierte Museen sowie verschiedene Organisationen zum Schutz des Kulturerbes vertreten. Diese breite institutionelle und fachliche Zusammensetzung sichert eine umfassende Bewertung und Legitimität der Beschlüsse.
Für die Bewohner der Kanaren sowie für Urlauber und Auswanderer bedeutet die Entscheidung, dass die Skulptur von Juan de Ávalos weiterhin ohne besonderen gesetzlichen Schutz bleibt. Dies könnte Auswirkungen auf zukünftige Planungen und mögliche Umgestaltungen an dem Standort haben. Gleichzeitig spiegelt die Entscheidung die aktuelle Haltung der Kulturerbe-Institutionen wider, die bei der Bewertung von Denkmälern neben künstlerischen auch historische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigen.
Die Debatte um das Franco-Monument ist Teil eines größeren Diskurses über den Umgang mit Spuren der Franco-Diktatur in Spanien. Während einige Stimmen eine Erhaltung als Mahnmal oder historisches Zeugnis fordern, lehnen andere eine öffentliche Ehrung durch Schutzstatus ab. Die Entscheidung des kanarischen Kulturerbe-Rates reiht sich somit in die bundesweite Auseinandersetzung ein, die auch auf den Kanaren kontrovers geführt wird.
Insgesamt zeigt der Fall, wie komplex und vielschichtig der Schutz von Kulturgütern in einem demokratischen Kontext ist, bei dem Geschichte, Kunst und gesellschaftliche Werte aufeinandertreffen. Für die Kanarischen Inseln bleibt das Thema relevant, da hier viele historische Monumente unterschiedliche Bewertungen erfahren und der Schutzstatus oft Gegenstand intensiver Diskussionen ist.
Quelle: www3.gobiernodecanarias.org
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