In den letzten vier Jahrzehnten hat sich das Bildungssystem auf den Kanarischen Inseln erheblich weiterentwickelt, obwohl weiterhin Herausforderungen bestehen. Trotz der Fortschritte bleibt die frühkindliche Bildung für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren hinter den nationalen und europäischen Standards zurück. Diese frühkindliche Phase ist entscheidend für die spätere Entwicklung, daher ist es alarmierend, dass viele Familien auf den Kanaren Schwierigkeiten haben, geeignete Betreuungsplätze zu finden. Ein Mangel an Einrichtungen und Fachkräften führt dazu, dass viele Kinder nicht die notwendige frühkindliche Förderung erhalten, die sie für ihren Bildungsweg benötigen.
Ein weiteres drängendes Problem ist das frühzeitige Abbrechen der Schulbildung. Dies betrifft insbesondere Jugendliche, die in sozial benachteiligten Verhältnissen aufwachsen. Die Gründe für diese Schulabbrüche sind vielschichtig: von familiären Problemen über mangelnde Motivation bis hin zu Schwierigkeiten im Lernprozess. Für die betroffenen Jugendlichen hat dies oft gravierende Folgen, da sie ohne Abschluss in einen schwierigen Arbeitsmarkt eintreten müssen. Diese Problematik erfordert dringend Maßnahmen, um die Schulabschlüsse zu erhöhen und die Jugendlichen besser zu unterstützen.
Die erste Autonomiewahl zwischen 1983 und 1987 markierte den Beginn einer gezielten Bildungspolitik in der Region. Unter der Führung von Jerónimo Saavedra, dem damaligen Präsidenten, wurde ein großer Investitionsschub initiiert, um die gravierenden Mängel im Bildungssystem zu beheben, die durch jahrzehntelangen Zentralismus entstanden waren. Vor der Autonomie litten die Kanaren unter hohen Analphabetenquoten und einem Mangel an Schulplätzen, was zu Schichtunterricht und unzureichenden Lehrressourcen führte. Diese Reformen waren dringend notwendig, um die Bildungslandschaft auf den Inseln zu verbessern und den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.
Bereits zu Beginn der Transition forderten Lehrer eine spezifische kanarische Bildung, die die lokale Kultur und Geschichte berücksichtigte. Fünf Jahrzehnte später bleibt das Wissen über die indigene Geschichte der Inseln bei den Jugendlichen unzureichend. Dies ist nicht nur ein Verlust für die Identität der jungen Generation, sondern auch ein Hindernis für die gesellschaftliche Integration und das Verständnis der eigenen Wurzeln. Die 1970er Jahre brachten die ersten Sommerakademien, die als Plattformen für den Austausch und die Diskussion innerhalb der Bildungsgemeinschaften dienten. Solche Initiativen sind auch heute von Bedeutung, um den Dialog zwischen Lehrern, Eltern und Schülern zu fördern.
Die Konflikte im Bildungsbereich waren in verschiedenen Phasen ausgeprägt. Forderungen nach besserer Beschäftigungssicherheit und Gehaltsharmonisierung wurden laut, während auch Widerstand gegen bestimmte Bildungsreformen, wie die umstrittene LOMCE von 2013, mobilisierte. Diese Reformen wurden von vielen als unzureichend und nicht auf die spezifischen Bedürfnisse der kanarischen Schüler abgestimmt angesehen. Im Hochschulbereich führte der Druck der Studierenden und der Eltern zur Gründung einer vollständigen Universität in Las Palmas de Gran Canaria im Jahr 1989. Heute bieten die beiden öffentlichen Universitäten der Region eine breite Palette an Studiengängen für zehntausende von Studierenden an.
Für die deutschsprachige Gemeinschaft auf den Kanaren ist es wichtig, die Entwicklungen im Bildungssystem zu verfolgen, insbesondere wenn es um die Möglichkeiten für ihre Kinder geht. Die Herausforderungen, die das Bildungssystem weiterhin mit sich bringt, erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden, Schulen und Familien. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Kinder die bestmögliche Bildung erhalten und somit gut auf die Zukunft vorbereitet sind.