In den Kanarischen Inseln wurden durch die gesetzlich geschützten Vías Pecuarias, die traditionellen Routen für die Viehhaltung, mehr als 300 präkolumbianische Wege erhalten. Diese Pfade, die auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken, sind ein bedeutendes Erbe, das vor allem durch die Praxis der Transhumanz, also der saisonalen Viehweide, bewahrt wurde. Laut Claudio Moreno, Geograf an der Universität Las Palmas, umfassten diese Routen im 19. Jahrhundert insgesamt 357 öffentliche Wege mit einer Gesamtlänge von 2.231 Kilometern, wie im Boletín Oficial de la Provincia de Canarias im April 1868 dokumentiert.
Der Historiker und Archäologe Jorge Pais hat in seinen Forschungen die Verbindungen zwischen den Hirten und den benahoarischen Wegen untersucht. Seine Erkenntnisse zeigen, dass die Transhumanz bereits in der indigenen Zeit praktiziert wurde, insbesondere im nördlichen Teil von La Palma, wo die großen Distanzen zwischen Küstengebieten und Weideflächen eine saisonale Viehhaltung erforderlich machten. Die heutigen Pfade, die zur Caldera de Taburiente führen, sind identisch mit denen, die bereits in der Aborigine-Zeit genutzt wurden, wie archäologische Funde belegen.
Ein ähnliches Phänomen zeigt sich in Tenerife, wo die Guanches mit ihren Herden die Cañadas del Teide aufsuchten. Diese historischen Routen sind Teil des heutigen Wanderwegenetzes der Insel. Historiker wie Alfredo Mederos und Gabriel Escribano haben umfassende Studien über die Entwicklung der Viehhaltung auf Teneriffa bis zur modernen Zeit durchgeführt.
Ein herausragendes Beispiel für die Ingenieurskunst der Kanarischen Inseln ist der Paso de La Plata, eine fast zehn Kilometer lange Wanderroute mit einem spektakulären 700 Meter langen, gepflasterten Abschnitt, der die Kommunikation zwischen dem Norden und Süden Gran Canarias revolutionierte. Diese Strecke wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und verkürzt die traditionelle Transhumanz zwischen Gáldar und Tunte erheblich. Die Erhaltung dieser Wege ist entscheidend für das kulturelle Erbe der Region.
Quelle: el diario canarias ahora
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