Die Gerichte auf den Kanarischen Inseln haben im Jahr 2025 16,6 Prozent mehr Fälle pro Richter bearbeitet als der nationale Durchschnitt Spaniens. Damit führen die Inseln zum siebten Mal in Folge die Rangliste aller autonomen Gemeinschaften mit der höchsten Streitfallrate an. Laut dem Jahresbericht des Obersten Gerichts der Kanarischen Inseln (TSJC) liegt die Streitfallrate bei 202,06 Fällen pro 1.000 Einwohner und übertrifft damit andere Regionen deutlich.
Insgesamt wurden durchschnittlich 496,98 Urteile pro Gericht in der Region gefällt, was 13,9 Prozent mehr als im landesweiten Vergleich bedeutet. Auch bei Beschlüssen und Verfügungen liegen die Kanarischen Inseln mit einem Plus von 24,4 beziehungsweise 11,5 Prozent über dem spanischen Durchschnitt. Besonders auffällig ist die hohe Anzahl an Kriminalfällen mit 89,39 Fällen pro 1.000 Einwohner – mehr als 17 Fälle über dem nationalen Mittelwert.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem deutlichen Anstieg von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Las Palmas. Die gemeldeten Fälle stiegen um 21,5 Prozent auf 1.020 an. Trotz eines leichten Rückgangs bei den Berichten zu geschlechtsspezifischer Gewalt um 0,5 Prozent bleiben diese mit 11.451 Meldungen weiterhin auf hohem Niveau. Die Zahl der betroffenen Frauen sank dabei von 10.787 auf 10.326. Das Jahr war jedoch von fünf mutmaßlichen Tötungsdelikten im häuslichen Umfeld überschattet. In den entsprechenden Verfahren gab es 3.082 Verurteilungen gegenüber 151 Freisprüchen.
Neben der Kriminalität belastet die Justiz auf den Kanaren auch die hohe Zahl an verwaltungsgerichtlichen Beschwerden im Bereich Migration. Trotz eines Rückgangs der irregulären Migration um 62 Prozent mussten über 10.000 Beschwerden bearbeitet werden. Besonders die Gerichte in El Hierro stehen vor Herausforderungen, da der Anstieg der Bootsmigranten zu zusätzlichen Belastungen führt.
Der Präsident des Obersten Gerichts, Juan Luis Lorenzo, fordert daher dringend Verbesserungen bei der Infrastruktur und den personellen Ressourcen, vor allem in Valverde auf El Hierro. Er hebt zugleich die Transparenz und Effizienz der Gerichte hervor, die diese außergewöhnlichen Anforderungen mit großem Engagement bewältigen.
Für die Bevölkerung, aber auch für Urlauber und Auswanderer auf den Kanarischen Inseln bedeutet die hohe Fallzahl eine kontinuierliche Belastung der Justiz. Die Entwicklungen im Bereich Gewalt und Migration unterstreichen die Notwendigkeit einer verstärkten Unterstützung der Gerichte. In den kommenden Monaten wird das TSJC daran arbeiten, konkrete Maßnahmen umzusetzen und die Situation transparent zu begleiten, um die Justizinfrastruktur an die steigenden Anforderungen anzupassen.
Quelle: tenerifeweekly.com
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