Kanarische Inseln verlangen koordiniertes EU-Protokoll für Migrationskrisen an Außengrenzen – Politik (Gobierno Canarias)

Kanarische Inseln verlangen koordiniertes EU-Protokoll für Migrationskrisen an Außengrenzen

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Von Thomas John - Redaktion Kanaren Nachrichten

16 August, 2026

Die Kanarischen Inseln drängen darauf, dass ihr Gebiet bei der Gestaltung der Migrationspolitik Spaniens und der Europäischen Union (EU) stärker berücksichtigt wird. Hintergrund sind die dramatischen Ereignisse in Ceuta, wo im Mai 2021 etwa 72.000 Menschen aus Marokko eintrafen und fast 200 Todesfälle zu beklagen waren. Der stellvertretende Berater im Kabinett des Präsidenten der Kanarischen Regierung, Octavio Caraballo, betont, dass diese Krise verdeutlicht, wie dringend ein abgestimmtes europäisches Protokoll für außergewöhnliche Migrationssituationen an den Außengrenzen benötigt wird.

Caraballo weist darauf hin, dass bei solchen Ereignissen nicht mehr improvisiert werden darf. Stattdessen müsse von vornherein klar geregelt sein, welche Mechanismen zur Koordination zwischen EU, spanischem Staat und den Grenzregionen greifen. Dazu gehört, wer Entscheidungen trifft, welche Ressourcen aktiviert werden, wie humanitäre Versorgung und der Schutz von Minderjährigen sichergestellt werden und wie die Solidarität unter den betroffenen Regionen funktioniert. Die Kanaren fordern seit Jahren, von einer reinen Notfallbewältigung zu einer vorausschauenden Planung überzugehen. Ein europäisches Protokoll würde im Ernstfall sofort Klarheit über Zuständigkeiten schaffen und so eine effizientere Reaktion ermöglichen.

Besonderen Nachdruck legt Caraballo auf mehr finanzielle Unterstützung, echte Schutzmaßnahmen für Minderjährige sowie einen atlantischen Blick auf die Migrationsherausforderung. Er kritisiert, dass weder die spanische Regierung noch die EU-Kommission die Grenzregionen ausreichend in die politische Entscheidungsfindung einbeziehen. Dies zeige sich etwa beim kürzlich in Kraft getretenen Europäischen Migrations- und Asylpakt, der ohne Beteiligung der Kanarischen Inseln entwickelt wurde, obwohl die Inseln eine wichtige Einfallstorroute von Afrika nach Europa darstellen. Auch auf nationaler Ebene wurden die autonomen Gemeinschaften bei der Planung nicht eingebunden.

Diese Themen standen im Mittelpunkt eines Workshops, den das Spanische Institut für Migrationsanalyse (IEAM) gemeinsam mit der Kanarischen Regierung veranstaltete. Dort wurde betont, dass die Rolle der Inseln nicht auf die eines bloßen Empfangsorts oder Beobachters beschränkt sein darf. Vielmehr soll die langjährige operative und humanitäre Erfahrung der Kanaren zu einer festen Vertretung in nationalen und europäischen Entscheidungsgremien führen. Das betrifft die Koordination mit der Zentralregierung, die Teilnahme an EU-Migrationsdialogen mit Drittstaaten und die Vertretung bei Verhandlungen über Abkommen, die direkt die Atlantikroute betreffen.

Die Experten unterstrichen, dass Migration nicht als rein maritimes oder regionales Phänomen verstanden werden darf. Sie ist Teil eines komplexen Systems, das durch Konflikte, sozioökonomische Veränderungen, jugendliche Perspektiven, familiäre Netzwerke, Visa-Politik, Sicherheitskooperation, informelle Wirtschaft und illegale Erleichterungsmechanismen geprägt ist. Der Workshop mit dem Titel „Atlantikroute, Sahel und Kanaren“ versammelte eine breite Palette von Akteuren, darunter Vertreter von Institutionen, Sicherheitskräften, internationalen Organisationen, humanitären Gruppen, Zivilgesellschaft, Forschern sowie europäischen und afrikanischen Experten.

Die vorgeschlagenen Strategien zielen darauf ab, die öffentliche Reaktion auf die Migrationsdynamiken in Westafrika, dem Sahel und den Kanaren zu verbessern. Dazu gehören langfristige Maßnahmen zur Verringerung der Profitabilität krimineller Netzwerke, der Schutz entlang der Migrationskorridore, die Förderung legaler und zirkulärer Mobilität, Investitionen in Bildung und Beschäftigung vor Ort sowie der Einbezug von Familien und Diasporagemeinschaften. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Minderjährigen sowie auf der Vorwegnahme unbeabsichtigter Folgen von Migrationsabkommen.

Aufgrund ihrer geografischen Lage an der Atlantikroute und ihrer umfassenden Erfahrung kann die Kanarische Region eine strategische Rolle als Plattform für Dialog, vorausschauende Planung, dezentrale Kooperation und Wissenstransfer zwischen Europa, Spanien und Westafrika übernehmen. Das erfordert jedoch eine stärkere Einbindung in politische Entscheidungsprozesse auf nationaler und europäischer Ebene.

Quelle: www3.gobiernodecanarias.org
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Hinweis: Diese Kurzmeldung wurde redaktionell aufbereitet und basiert auf öffentlich zugänglichen spanischen Quellen. Inhalte werden geprüft und verständlich zusammengefasst.

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