Die öffentlichen Universitäten auf den Kanarischen Inseln stehen unter erheblichem finanziellem Druck. Die Regionalregierung aus Coalición Canaria (CC) und Partido Popular (PP) unterlässt es, die Hochschulen von La Laguna und Las Palmas de Gran Canaria ausreichend zu finanzieren. Diese Defizite gefährden nicht nur den aktuellen Betrieb, sondern auch die Zukunft der beiden wichtigsten akademischen Einrichtungen der Inselgruppe.
Die Unterfinanzierung reiht sich ein in eine bundesweite Tendenz, bei der konservative Regierungen in Spanien öffentliche Einrichtungen im Sozial- und Bildungsbereich schwächen. Ein prominentes Beispiel ist Madrid, wo Isabel Díaz Ayuso die sechs öffentlichen Universitäten der Hauptstadt bewusst finanziell austrocknet. Ähnliche Strategien zeigen sich auch auf den Kanaren, obwohl die Regionalregierung formal für das Hochschulwesen zuständig ist. Stattdessen schiebt sie die Verantwortung zum Zentralstaat ab und reduziert die Autonomie der Inseln auf eine bloße Formalität.
Die Situation hat bereits erste Gegenreaktionen ausgelöst. Über 4.000 Personen haben sich dem „Manifiesto en defensa de las Universidades Públicas Canarias“ angeschlossen. Darin wird ein besorgniserregender Vertrauensverlust gegenüber den öffentlichen Universitäten beschrieben. Diese werden fälschlicherweise als unnötige Kosten oder rein utilitaristische Einrichtungen abgetan. Die Unterzeichner warnen, dass die Schwächung der Universitäten einen zentralen Pfeiler der Demokratie und des gesellschaftlichen Fortschritts untergräbt.
Die öffentlichen Universitäten auf den Kanaren sind seit Jahrzehnten ein sozialer Aufsteiger für viele junge Menschen. Sie ermöglichen den Zugang zu höherer Bildung unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status. Besonders für Frauen waren die Hochschulen ein Raum, in dem ihre Fähigkeiten ohne Vorurteile anerkannt wurden. Diese Rolle betont das Manifest als unverzichtbar für eine gerechtere und gebildetere Gesellschaft. Es fordert deshalb von den zuständigen Behörden, insbesondere von der Regionalregierung, die gesetzlich vorgeschriebene Finanzierung gemäß Artikel 55 des spanischen Universitätsgesetzes (LOSU) einzuhalten.
Parallel zu diesen Protesten haben die beiden Rektoren der Universitäten La Laguna und Las Palmas de Gran Canaria, Francisco García Rodríguez und Lluís Serra Majem, die Gründung der Asociación de Universidades Públicas Canarias (UPCAN) bekanntgegeben. Diese Organisation will die Zusammenarbeit stärken, die Internationalisierung fördern und das soziale Engagement der Universitätseinrichtungen ausbauen. Ein zentrales Ziel ist es, den Anteil der Universitätsfinanzierung auf 1 Prozent des kanarischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2030 zu erhöhen.
Derzeit liegt die Finanzierung bei etwa 0,5 Prozent des kanarischen BIP. Das entspricht einem Budget von knapp unter 300 Millionen Euro für beide Universitäten zusammen. Würde der geforderte Anteil von 1 Prozent erreicht, stünde ein Budget von über 500 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kanarische Regierung verfügt für das Jahr 2026 über einen Haushalt von mehr als 12,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig zeigt die Bilanz der laufenden Legislaturperiode, dass der Regionalregierung in den Jahren 2023 bis 2025 durchschnittlich 1,143 Milliarden Euro jährlich nicht ausgegeben wurden – mehr als 3,4 Milliarden Euro ungenutzte Mittel.
Im Parlament reagierte die Coalición Canaria mit einem Antrag, der ein „Impuls für die Erfüllung des Finanzierungsziels der öffentlichen Universitäten“ verspricht. Dabei bleibt die Partei jedoch vage und schiebt die Verantwortung erneut auf die Zentralregierung in Madrid ab. Diese Haltung kritisiert die Oppositionspartei Nueva Canarias scharf. Sie brachte eine vollständige Gegenänderung ein und erinnerte daran, dass laut Artikel 134 des kanarischen Autonomiestatuts die Hochschulbildung zur regionalen Zuständigkeit gehört. Die Finanzierung müsse deshalb durch die Kanarische Regierung sichergestellt werden.
Nueva Canarias verweist zudem auf die offizielle Forderung der beiden Rektoren vom 30. Juni 2025, die ein Mindestwachstum der strukturellen Finanzierung verlangt. Die Partei fordert, dass die Regionalregierung diese Forderung ernst nimmt und unverzüglich umsetzt. Die Zukunft der Universitäten und damit auch die Bildungs- und Entwicklungschancen für die Bevölkerung auf den Kanaren hängen wesentlich davon ab, dass die öffentliche Hand ihre Verantwortung wahrnimmt und die Hochschulen angemessen unterstützt.
Quelle: eldiario.es
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