Die Wohnsituation auf den Kanarischen Inseln verschärft sich zunehmend. Der jüngste Dekret des kanarischen Regierungschefs, der eine ununterbrochene Wohnsitzdauer von zwölf Jahren für den Zugang zu öffentlichem Wohnraum vorschreibt, hat bei vielen Bürgern Besorgnis ausgelöst. Einem Bericht zufolge haben Organisationen wie das Observatorio DESCA und Derecho al Techo bereits Klage beim Obersten Gerichtshof der Kanaren eingereicht, um gegen diese Regelung vorzugehen. Diese Maßnahme könnte nicht nur die Rechte der Bürger einschränken, sondern auch die soziale Struktur der Gesellschaft gefährden.
Die Bevölkerung auf den Kanaren sieht sich einer der gravierendsten Wohnkrisen Europas gegenüber. Hohe Mieten, ein Anstieg von touristischen Unterkünften und stagnierende Löhne machen es für viele Einheimische nahezu unmöglich, eine angemessene Wohnung zu finden. Laut aktuellen Statistiken sind die Mietpreise in den letzten Jahren um bis zu 30 Prozent gestiegen. Dies führt dazu, dass immer mehr Menschen aus ihren angestammten Wohngebieten verdrängt werden. Die Inseln, die einst als Paradies für viele galten, verwandeln sich zunehmend in ein Terrain, das nur noch für Touristen erschwinglich ist.
Der Dekret 23/2026, der am 9. März 2026 in Kraft trat, hat eine breite Diskussion über das Konzept der sozialen Gerechtigkeit ausgelöst. Kritiker argumentieren, dass die Regelung nicht nur die Zugänglichkeit zu Wohnraum einschränkt, sondern auch die grundlegenden Prinzipien eines sozialen Staates untergräbt. In der spanischen Verfassung wird Spanien als „sozialer und demokratischer Rechtsstaat“ definiert, was bedeutet, dass der Zugang zu Wohnraum ein fundamentales Recht sein sollte. Das neue Gesetz könnte jedoch dazu führen, dass Menschen, die aufgrund von wirtschaftlicher Unsicherheit oder beruflichen Veränderungen häufig umziehen, von der Möglichkeit ausgeschlossen werden, eine öffentliche Wohnung zu beantragen.
Ein Beispiel für die Ungerechtigkeit dieses Systems ist ein nationalisierter Migrant, der trotz formeller Staatsbürgerschaft von der Vergabe öffentlicher Wohnungen ausgeschlossen werden kann. Dies betrifft auch Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen leben oder aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten in einem ständigen Wohnwechsel leben müssen. Der Dekret könnte somit als indirekte Diskriminierung interpretiert werden, die die am stärksten gefährdeten Gruppen in der Gesellschaft noch weiter benachteiligt.
Die Auswirkungen dieser politischen Entscheidungen sind bereits spürbar. Wohnungen, die früher als Wohnraum für Familien dienten, werden zunehmend in Ferienunterkünfte umgewandelt. Dies führt zu einer weiteren Verdrängung der ansässigen Bevölkerung. Wo einst stabile Gemeinschaften existierten, entstehen nun temporäre Wohnräume, die auf den schnellen Gewinn aus dem Tourismus ausgerichtet sind. Der soziale Zusammenhalt, der die kanarische Gesellschaft über Jahrzehnte geprägt hat, wird durch diese Entwicklung erheblich gefährdet.
Es bleibt abzuwarten, wie das Oberste Gericht der Kanaren auf die Klage reagieren wird. Die Entscheidung könnte weitreichende Konsequenzen nicht nur für die Wohnpolitik auf den Kanaren, sondern auch für die soziale Gerechtigkeit im gesamten Land haben. Die Diskussion um Wohnraum und soziale Gerechtigkeit wird in den kommenden Monaten sicherlich weiter an Intensität gewinnen. Die Bewohner der Kanarischen Inseln stehen vor der Herausforderung, sich gegen diese Entwicklungen zu wehren und ihre Stimme für ein Recht auf Wohnraum zu erheben.
Quelle: eldiario.es
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