Sechs Seeleute des Frachtschiffs Lady Mina sitzen seit dem 1. Mai 2025 im Hafen von Las Palmas fest, nachdem ihr türkischer Eigentümer sie im Stich gelassen hat. Grund dafür ist ein Motorschaden am Schiff, das seitdem nicht mehr auslaufen kann. Zudem hat der Eigner Lohnzahlungen in Höhe von über 59.500 Euro für fünf Monate nicht geleistet. Die Crew besteht aus fünf Aserbaidschanern und einem Georgier, die seit Monaten ohne Bezahlung und unter schlechten Bedingungen an Bord leben.
Das 1989 gebaute Schiff Lady Mina liegt am Nelson Mandela Pier und transportiert Futtermittel für Fische. Bei der Ankunft im Mai in Las Palmas kam es zum Motorschaden, der eine Weiterfahrt unmöglich machte. Bereits im Vorjahr war das Schiff wegen ähnlicher Probleme im Hafen von Djen Djen in Algerien gestrandet. Nun hat die Hafenbehörde von Las Palmas das Schiff stillgelegt, nachdem bei einer Überprüfung gefälschte Dokumente entdeckt wurden. Die Papiere entsprachen nicht den internationalen Standards, was zur Untersagung des Betriebs führte.
Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) in Las Palmas ist in den Fall eingeschaltet und unterstützt die Crew. Sie versorgt die Seeleute mit Lebensmitteln und Wasser und bemüht sich um eine humanitäre Rückführung in ihre Heimatländer. Besonders problematisch ist, dass einige Besatzungsmitglieder bereits deutlich länger an Bord sind als erlaubt. Ein Matrose etwa ist seit über 13 Monaten auf dem Schiff, obwohl internationale Arbeitsverträge maximal 11 Monate vorsehen.
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord sind aufgrund defekter Kühlanlagen und fehlender Reparaturen gravierend beeinträchtigt. Die Seeleute sind psychisch belastet, da sie weder ihren Lohn erhalten noch das Schiff verlassen oder neue Jobs annehmen können. Die ITF hat nach Bekanntwerden der Situation die Kapitänsmaritime von Las Palmas informiert, die das Schiff anschließend wegen der gefälschten Papiere stillgelegt hat. Rechtliche Schritte gegen den Schiffseigner wurden eingeleitet, um die ausstehenden Lohnzahlungen zu sichern.
Der Fall Lady Mina spiegelt ein globales Problem wider: Seit 2004 sind weltweit mehr als 1.700 Fälle von verlassenen Schiffen registriert, die meist mit unbezahlten Besatzungen und mangelhafter Dokumentation einhergehen. Für das laufende Jahr 2026 wurden bereits 157 solcher Fälle gemeldet, nach 409 im Jahr 2025 und 312 im Jahr 2024. Die Kanarischen Inseln als wichtiger maritimer Knotenpunkt sind von dieser Problematik direkt betroffen.
Ob das Schiff nach Reparatur versteigert oder verschrottet wird, ist noch offen. Die Crew hat Vorrang bei der Auszahlung der Löhne, die vorerst jedoch blockiert sind. Die ITF arbeitet weiterhin an der Rückführung der Seeleute und an einer Lösung für die prekäre Lage. Ein konkreter Termin für die Heimreise liegt noch nicht vor, da die juristischen Verfahren noch andauern und die Reparatur des Schiffs ungewiss ist.
Quelle: laprovincia.es
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