Die politischen Spannungen auf den Kanarischen Inseln haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Sowohl die Sozialisten (PSOE) als auch die Partei Nueva Canarias (NC) haben sich entschieden, den Untersuchungsausschuss zur Beschaffung von medizinischem Material während der Pandemie 2020 faktisch zu verlassen. Die Abgeordneten kritisieren die Arbeit des Ausschusses scharf und bezeichnen sie als „Zirkus“. Diese deutliche Wortwahl prägte die Debatten und verdeutlicht die tiefe Zerstrittenheit innerhalb des Gremiums.
Der Ausschuss wurde eingerichtet, um die Vorgänge rund um die Beschaffung von Schutzausrüstung und anderen medizinischen Gütern während der Corona-Krise transparent zu machen. Insbesondere geht es um die Frage, ob und wie politische Einflussnahmen oder Missmanagement stattgefunden haben. Doch aus Sicht der Sozialisten und von Nueva Canarias ist die gesamte Arbeit von Anfang an von chaotischen Zuständen und politischem Theater geprägt.
Die sozialistische Abgeordnete Nira Fierro bezeichnete den Ausschuss sogar als „grotesken und bösartigen Zirkus“. Dennoch hatten die Sozialisten zuvor aktiv an der Gestaltung des Untersuchungsplans mitgewirkt, zahlreiche Zeugen beantragt und hunderte Fragen formuliert. Besonders Fierro selbst zeigte sich in den Sitzungen sehr engagiert, wobei sie gleichzeitig andere Parteien scharf kritisierte – mit Ausnahme von Nueva Canarias, die sie als „gewöhnlichen Gefolgsmann“ bezeichnete. Diese Doppelstrategie sorgte für zusätzliche Kontroversen und untergrub die Glaubwürdigkeit des Ausschusses.
Ein weiterer Streitpunkt war die Veröffentlichung eines Entwurfs des Abschlussberichts durch den Vorsitzenden Raúl Acosta. Die Sozialisten versuchten, die Arbeit des Ausschusses durch Vorwürfe über diese Leckage zu sabotieren, obwohl der Bericht selbst noch nicht endgültig war. Acosta, der die Sitzungen mit großer Ausgeglichenheit leitete, entschied sich, im Amt zu bleiben und den Ausschuss weiterzuführen, trotz der harschen Kritik von PSOE und NC.
Für deutschsprachige Bewohner und Urlauber auf den Kanaren zeigt dieses politische Tauziehen, wie schwierig die Aufarbeitung der Pandemie in Spanien bleiben kann. Die Debatten um Transparenz und Verantwortlichkeit sind auch hier von großer Bedeutung, da solche Untersuchungen Einfluss auf künftige Krisenreaktionen und das Vertrauen in die lokalen Behörden haben. Reisende sollten mit möglichen Verzögerungen bei offiziellen Informationen rechnen, während Auswanderer die politische Lage weiter beobachten sollten, um die Entwicklung der regionalen Verwaltung besser einschätzen zu können.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie der Untersuchungsausschuss seine Arbeit fortsetzt und ob er trotz der internen Konflikte zu belastbaren Ergebnissen gelangt. Die politische Landschaft auf den Kanaren zeigt sich in diesem Fall von ihrer zerstrittenen Seite – ein Szenario, das auch in anderen Regionen Spaniens bekannt ist und die Herausforderungen der Pandemie-Aufarbeitung im Land widerspiegelt.
Quelle: laprovincia.es
Zum Original