Der Präsident des spanischen Arbeitgeberverbandes CEOE in Kastilien-La Mancha, Ángel Nicolás, hat bei einer Veranstaltung zum Thema Krankheitsbedingtes Fehlen am Arbeitsplatz deutliche Worte gefunden. Er machte die junge Generation mitverantwortlich für den Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsmeldungen, insbesondere wegen psychischer Probleme. „Wir haben heute Krankmeldungen nicht, weil der Betrieb schlecht behandelt, sondern weil die Freundin Schluss gemacht hat“, sagte Nicolás am Dienstag. „Unsere Generation ist anders als die junge – sie sind einfach weniger belastbar.“
Die CEOE hatte zu der Tagung „Absentismo x IT: un problema de país“ geladen, um mit führenden Unternehmern aus allen Regionen Spaniens über die steigenden Fehlzeiten zu diskutieren und Reformvorschläge an die Regierung zu richten. Die Arbeitgeber fordern unter anderem, den Unfallversicherungen (Mutuas) mehr Kompetenzen bei der Ausstellung von Krankschreibungen zu geben und die Sozialversicherung die Lohnfortzahlung ab dem vierten bis zum fünfzehnten Krankheitstag übernehmen zu lassen. Aktuell zahlen die Arbeitgeber in dieser Phase.
Ein weiteres Anliegen der Unternehmer ist die Wiedereinführung der Möglichkeit, Mitarbeiter bei wiederholten Krankmeldungen im Jahr leichter kündigen zu können. Diese Forderungen spiegeln die wachsende Sorge wider, dass der Krankenstand in Spanien ein strukturelles Problem geworden ist.
Innerhalb der Unternehmerverbände gab es unterschiedliche Sichtweisen. Während Nicolás und andere Vertreter wie Lorenzo Amor, Präsident der Selbständigenvereinigung ATA, offen von einem „offensichtlichen Betrug“ und „Bajaciones“ – also bewussten Krankmeldungen zum Zwecke der Erholung – sprechen, mahnen andere zu mehr Empathie und einer ganzheitlichen Betrachtung. Josep Sánchez Llibre, Präsident des Arbeitgeberverbands Foment del Treball, bezeichnete das Thema als „Problem des Landes“, das weder allein Arbeitnehmer noch Arbeitgeber verursacht hätten. Tamara Yagüe von der baskischen Arbeitgebervereinigung betonte, dass Fehlzeiten nicht allein durch Kontrolle reduziert werden könnten, sondern dass Arbeitsplätze attraktiv gestaltet werden müssten.
Offizielle Zahlen der unabhängigen spanischen Behörde Airef zeigen, dass 2024 insgesamt 9,3 Millionen Krankmeldungen registriert wurden, davon 2,1 Millionen von Beschäftigten zwischen 25 und 35 Jahren. Diese Altersgruppe macht damit 22,6 Prozent aller Krankmeldungen aus, was sogar einen leichten Rückgang gegenüber 2017 bedeutet, als ihr Anteil bei 23,3 Prozent lag. Die Zunahme der Krankmeldungen kann demnach nicht allein auf die junge Generation zurückgeführt werden.
Die steigenden Zahlen an Krankmeldungen verursachen erhebliche Kosten. Die spanische Sozialversicherung gibt mittlerweile jährlich über 15 Milliarden Euro für Krankengeld aus – mehr als etwa für das Verteidigungsbudget. Die Unternehmer fordern daher auch eine schnellere Bearbeitung von Krankmeldungen durch mehr medizinisches Personal in den Gesundheitszentren, um die Genesungszeiten zu verkürzen und den Missbrauch einzudämmen.
Zusätzlich wird die Forderung erhoben, die medizinischen Untersuchungen durch mehr Kontrollärzte zu intensivieren und die Mutuas zu befähigen, Krankmeldungen auszustellen und aufzuheben. Derzeit sind diese Aufgaben ausschließlich den Ärzten des öffentlichen Gesundheitssystems vorbehalten. Die Debatte über das Krankheitsbedingte Fehlen bleibt in Spanien kontrovers, da sie sowohl soziale wie wirtschaftliche Faktoren berührt.
Für Bewohner und Besucher der Kanarischen Inseln bedeutet die Diskussion vor allem eines: Die Arbeitgeber drängen auf Reformen, die auch hier zu Veränderungen führen könnten. Wer als Arbeitnehmer auf den Inseln lebt oder arbeitet, sollte sich auf mögliche Anpassungen bei den Regelungen zu Krankmeldungen und Lohnfortzahlungen einstellen. Urlauber sind direkt weniger betroffen, könnten jedoch indirekt durch wirtschaftliche Folgen und veränderte Arbeitsbedingungen in touristischen Betrieben spüren, wie sich die Lage entwickelt.
Die Debatte um die Ursachen und Lösungen des steigenden Krankenstandes in Spanien wird in den kommenden Monaten an Fahrt gewinnen. Die Forderungen der Unternehmerverbände zeigen, dass sie einen stärkeren Einfluss auf die Krankmeldungen anstreben – sei es durch mehr Kontrolle, rechtliche Änderungen oder organisatorische Reformen im Gesundheitssystem. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie die junge Generation langfristig besser in den Arbeitsmarkt integriert und gesundheitlich unterstützt werden kann, um solche Konflikte zu entschärfen.
Quelle: laprovincia.es
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